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Kosovo: Anschlag auf Investigativjournalisten Shkumbin Kajtazi

Nachdem am Sonntagabend das Auto eines kosovarischen Investigativjournalisten von Unbekannten beschossen wurde, haben Aktivisten und auch Politiker den Angriff scharf verurteilt und eine sofortige Untersuchung gefordert.

(Foto. Screenshot/BBC)
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Pristina – Nachdem am Sonntagabend das Auto eines kosovarischen Investigativjournalisten von Unbekannten beschossen wurde, haben Aktivisten und auch Politiker den Angriff scharf verurteilt und eine sofortige Untersuchung gefordert.

Sein Auto sei gegen Mitternacht, nachdem er es im Zentrum der Stadt Mitrovica geparkt hatte, „mit fünf oder sechs Kugeln“ beschossen worden, so Shkumbin Kajtazi, Journalist bei „Reporteri“.

„Als ich mich der Stelle näherte, an der ich geparkt hatte, sah ich, dass das Auto schwer beschädigt war. Zuerst war ich überzeugt, dass es von etwas Schwerem getroffen worden war, aber dann entdeckte ich überall Einschusslöcher und Kugeln: Auf dem Fahrersitz, auf dem Dach und hinten“, schrieb Kajtazi in seinem Facebook-Account. Er habe daraufhin die Polizei benachrichtigt und den gewalttätigen Angriff auf seine Arbeit als investigativer Journalist zurückgeführt, berichtet Balkan Insight.

Premierminister Avdullah Hoti forderte am Sonntag auf Facebook „die Strafverfolgungsbehörden auf, den Fall Shkumbin mit hoher Priorität zu behandeln und die Umstände des Angriffs aufzuklären“.

„Die Medien- und Meinungsfreiheit sind gesetzlich garantiert und werden unter allen Umständen geschützt“, fügte Hoti hinzu und erklärte, dass „Angriffe auf Journalisten und Medien direkte Angriffe auf demokratische Werte sind und daher von den Strafverfolgungsbehörden mit Priorität behandelt werden“.

Auch Ramush Haradinaj, der ehemalige Premierminister des Kosovo, verurteilte den Angriff.

„Freiheit ist nicht vollständig ohne Redefreiheit“, schrieb Haradinaj auf Facebook. Dies sei der zweite Angriff auf Kajtazi „nach den ständigen Drohungen gegen ihn“, so Haradinaj.

Haradinaj bezeichnete den Angriff als „schlechte Nachricht für unser Land“ und forderte die Justizbehörden auf, dem Schutz von Journalisten, „insbesondere von investigativen Journalisten“, Vorrang einzuräumen.

Das in Wien ansässige International Press Insitute, IPI, verurteilte ebenfalls den Angriff und sagte, es sei das zweite Mal innerhalb von vier Monaten, dass ein Auto des Reporteri.net-Journalisten von nicht identifizierten Personen angegriffen worden sei.

„Wir verurteilen diesen jüngsten Angriff auf das Auto von Shkumbin Kajtazi auf das Schärfste und fordern die Behörden im Kosovo dringend auf, gründlich zu untersuchen, um herauszufinden, wer dahinter steckt“, sagte der stellvertretende Direktor des IPI, Scott Griffen. „Solche Einschüchterungsversuche haben eine abschreckende Wirkung auf die Medienfreiheit und stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit von Journalisten im Kosovo dar.

Der Verband der Journalisten des Kosovo, AJK, teilte in einer Pressemitteilung am Sonntag mit, dass die Polizei die Einleitung einer Untersuchung bestätigt habe. Der Polizeisprecher der Region Mitrovica, Avni Zahiti, habe dem AJK mitgeteilt, dass „ein Fall eingeleitet wurde und untersucht wird.

Auch der Bürgermeister von Mitrovica, Agim Bahtiri, verurteilte die Tat, ebenso wie verschiedene Mitglieder der oppositionellen Demokratischen Partei des Kosovo, der PDK, und der Partei Vetevendosje, Aktivisten der Zivilgesellschaft und Bürger.