Karabach Konflikt
Aserbaidschaner verurteilen Deutsche Welle wegen „armenischer Propaganda“

Am 12. Juli 2020 sind an der Staatsgrenze zwischen Armenien und Aserbaidschan wiederholt schwere Kämpfe ausgebrochen. Immer mehr Aserbaidschaner kritisieren die Berichterstattung zu den aktuellen Geschehnissen. In einem offenen Brief fordert Politikwissenschaftler Dr. Samir Hasanov die Deutsche Welle auf, einen Bericht entsprechend zu korrigieren.

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Ein Gastbeitrag von Dr. Samir Hasanov

Mit diesem Schreiben möchte ich den Inhalt des DW-Artikels mit dem Titel „Demonstranten in Aserbaidschan verlangen Militäroffensive gegen Armenien“ kommentieren.

Am 20. Juli besuchte ich den Standort der Deutschen Welle in Bonn persönlich, um meine Unzufriedenheit mit der Berichterstattung der DW über Aserbaidschan zum Ausdruck zu bringen. Der am 15. Juli 2020 erschienene DW-Artikel „Demonstranten in Aserbaidschan verlangen Militäroffensive gegen Armenien“ hat in der aserbaidschanischen Community Deutschlands für große Empörung gesorgt. Einige provokante Formulierungen im Text veranlassen uns davon auszugehen, dass dieser aus der Feder eines(r) DW-Journalisten(in) stammt, der/die sich offensichtlich mit genauen Hintergründen des armenisch-aserbaidschanischen Konflikts nicht auskennt und womöglich Sympathien für Armenien hegt.

Im Folgenden werden einzelne Passagen genannt, die in der Form eigentlich nicht erscheinen durften und schlichtweg skandalös sind:

„Die Polizei in Aserbaidschan hat eine Kundgebung aufgelöst, bei der Tausende einen Militäreinsatz zur Eroberung von Berg-Karabach forderten”.

Von welcher “Eroberung” ist bitte die Rede? Bergkarabach ist ein völkerrechtliches Subjekt der Republik Aserbaidschan und wird von der internationalen Weltgemeinschaft als solches anerkannt. Es gibt entsprechende Resolutionen der UNO (822, 853, 874, 884), der NATO, OSZE, EU etc., die dies eindeutig belegen.

Doch statt diese unbestreitbaren Fakten zu erwähnen, verbreitet der(die) Autor(in) dieses Schreibens eine gezielte und dreiste Desinformation. Es handelt sich also nicht um Eroberung, sondern um die Wiederherstellung der territorialen Integrität der Republik Aserbaidschan im Rahmen ihrer international anerkannten Grenzen.

Das mehrheitlich von Armeniern bewohnte Berg-Karabach war zu Sowjetzeiten Aserbaidschan zugeschlagen worden. Den Begriff “zuschlagen” benutzen die armenische Seite und ihre Verbündeten seit Jahrzehnten für propagandistische Zwecke. Die Journalisten der Deutschen Welle setzen leider diese Tradition fort.

Liebe(r) Autor/Autorin: Das Gebiet wurde Aserbaidschan nicht zugeschlagen, sondern per Beschluss des ZK der KP Russlands vom 5. Juli 1921 als Teil der neu erschaffenen Aserbaidschanischen SSR “bestätigt”. Ich rufe Sie ausdrücklich dazu auf, das eigentliche Wortlaut dieses Beschlusses (Vgl. Rüdiger Kipke: Konfliktherd Südkaukasus. Aserbaidschan im Fokus (sowjet-) russischer und armensicher Interessen. Wiesbaden 2015, S. 82.) aufmerksam durchzulesen und die Leser mit wahrhaften Informationen zu versorgen.

Der anschließende Satz:

Pro-armenische Rebellen brachten das Gebiet Ende der 1980er Jahre unter ihre Kontrolle.

Was ist das denn bitte für ein Satz mit lächerlichen Begrifflichkeiten? Das sind erstens keine Rebellen, sondern pro-armenische Separatisten, die sich ähnlich wie ihre Mitstreiter auf der Krim, im Osten der Ukraine, in Abchasien, Südossetien etc. im Zuge der gewaltsamen Auseinandersetzungen Anfang der 1990-er Jahre abgespalten haben. Zudem haben sie das Gebiet nicht unter ihre Kontrolle gebracht, sondern völkerrechtswidrig besetzt und eine 1 Million Aserbaidschaner aus ihren Heimatorten vertrieben.

“Russland als Schutzmacht des christlich geprägten Armeniens” und “Türkei als Verbündeter des muslimischen Aserbaidschans”.

Was will ein(e) DW-Journalist/in mit derartigen Formulierungen dem deutschen Leser überhaupt vermitteln? Es wimmelt überall von Artikeln über “christliche Armenier” und “muslimische Aserbaidschaner”.

Erstens ist Bergkarabach ein rein ethno-territorialer Konflikt. Religiöser Aspekt spielt in diesem Fall absolut keine Rolle, was auch etliche Südkaukasusexperten (Uwe Halbach, Stefan Meister, Thomas de Waal, Rüdiger Kipke, Manfred Quiring, Svante E. Cornell etc.) in ihren Einschätzungen immer wieder betonen.

Zweitens schüren Sie mit einer solchen Ausdrucksform nur noch Hass gegen Muslime, zumal dieser in Deutschland in den letzten Jahren ohnehin stark gewachsen ist. Nach ihrer Logik sind also die christlichen Armenier “zivilisiert”, kämpfen für eine “gute Sache” und die muslimischen Aserbaidschaner sind “Barbaren”? Ist das ihre Botschaft? Zutiefst beschämend im Namen des deutschen Qualitätsjournalismus.

Ich würde gerne wissen, wer hinter diesem Beitrag steht und von welcher Intention er/sie getrieben wird. Unabhängig davon machen wir jedoch klar, dass die oben erwähnten provokativen und wahrheitswidrigen Formulierungen bzw. Phrasen absolut inakzeptabel sind und der sofortigen (in der oben gezeigten Form) Korrektur bedürfen.

Eine derart voreingenommene Berichterstattung in einem renommierten Auslandsrundfunksender wie in der Deutschen Welle hat nichts zu suchen. Außerdem ist es unverständlich wie die Chefredaktion der DW die Veröffentlichung dieses Artikels ohne Überprüfung auf dessen inhaltliche Richtigkeit ermöglicht hat. Ihre Aufgabe sollte darin bestehen, gerade bei Themen dieser Art objektiv, sachlich und neutral zu bleiben.

Sollte innerhalb einer Woche keine Reaktion auf diesen Aufruf erfolgen, behalten wir uns das Recht, weitere Schritte vorzunehmen. Geplant ist unter anderem eine große Demonstration vor dem DW-Standort in Bonn wegen der Verbreitung der armenischen Propaganda. Diese Aktionen werden öfter stattfinden, bis die Gerechtigkeit im genannten Artikel wiederhergestellt ist. Zudem ist eine großangelegte und öffentlichkeitswirksame Kampagne gegen die Deutsche Welle auf sozialen Netzwerken geplant. Ich hoffe, mir werden weitere Maßnahmen erspart bleiben.

Ich freue mich auf die Rückmeldung mit entsprechender Stellungnahme zu den angesprochenen Punkten.

Zum Thema

– Karabach Konflikt –
Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan nicht religiös motiviert

„Seit dem ersten Tag der Auseinandersetzung verfolge ich achtsam die deutschen Medien, um deren Berichterstattung zu beurteilen. Die ersten Tage war dies aus meiner Sicht zum großen Teil ausgewogen. In den letzten Tagen wurde ich hingegen sehr enttäuscht.“

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