Kirche
Kirchenrechts-Experte: Umgang mit beurlaubtem Düsseldorfer Stadtdechanten „drakonisch und unverhältnismäßig“

Der Münsteraner Kirchenrechts-Professor Thomas Schüller hat die Entpflichtung des Düsseldorfer Stadtdechanten Ulrich Hennes durch den Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Woelki, als "kirchenrechtlich vertretbar, aber drakonisch und unverhältnismäßig" beurteilt.

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Der Münsteraner Kirchenrechts-Professor Thomas Schüller hat die Entpflichtung des Düsseldorfer Stadtdechanten Ulrich Hennes durch den Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Woelki, als „kirchenrechtlich vertretbar, aber drakonisch und unverhältnismäßig“ beurteilt. Dies sagte der Theologe dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Nach Darstellung des Erzbistums hat Hennes vor 18 Jahren ein Seelsorge-Gespräch mit einem damals 20-Jährigen für eine sexuelle Handlung ausgenutzt. Weder die weltliche Justiz noch ein kirchlicher Sonderermittler konnten jedoch ein strafbares Verhalten feststellen.

Weil Hennes nicht freiwillig auf seine Ämter verzichten wollte, wurde er am Mittwoch von seinem Posten als Stadtdechant entbunden. Der 57-Jährige, der alle Vorwürfe gegen ihn bestreitet, soll auch sein Amt als Pfarrer verlieren. Das zumindest hält Schüller für problematisch.

„Das Pfarramt ist das einzige in der Kirche, das nur unter strengen Bedingungen entzogen werden kann. Wenn der Erzbischof jeden seiner Priester des Amtes entheben wollte, der im Kontext seelsorgerlicher Kontakte gegen den Zölibat verstoßen hat, blieben bis in die höchsten Posten vermutlich nicht mehr viele übrig.“

Der „hierarchische Rekurs“, eine förmliche Beschwerde beim Vatikan, ist nach Einschätzung des Experten rechtlich möglich, aber faktisch wenig aussichtsreich. Das eigentlich Erschreckende an dem Fall sieht Schüller in dessen Signalwirkung. Hennes – und mit ihm allen im Dienst der Kirche – werde bedeutet: „Wer in seiner Lebensführung nicht auf Linie ist, muss mit voller Härte rechnen.“

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