Menschenrechtsverletzungen in China
Xinjiang: China lässt 2000 ethnische Kasachen ausreisen

Wie verschiedene Medien mitteilten, dürfen 2000 ethnische Kasachen mit chinesischer Staatsangehörigkeit China verlassen, sie werden in Kasachstan eingebürgert. Das darf als großer Erfolg der kasachischen Diplomatie angesehen werden.

Teilen

Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther

Wie verschiedene Medien mitteilten, dürfen 2000 ethnische Kasachen mit chinesischer Staatsangehörigkeit China verlassen, sie werden in Kasachstan eingebürgert. Das darf als großer Erfolg der kasachischen Diplomatie angesehen werden.

Es zeigt, dass der Protest der Straße nicht wirkungslos ist. In diesem Fall zeigt es auch, dass die Regierung Kasachstans trotz Vermeidung öffentlicher Kritik, hinter verschlossenen Türen humanitäre Hilfe geleistet hat. Das verdient Anerkennung. Man kann nur hoffen, dass Kirgisistan mit seiner Politik – der kirgisische Staatschef hat sich entsprechend geäußert – ebenfalls erfolgreich sein wird.

Das Problem mit China ist zwar um nichts entschärft, aber angesichts der Katastrophe ist sicherlich jede humanitäre Hilfe, wie klein sie auch sein mag, willkommen. Noch etwas ist bemerkenswert: China hatte vom 28. – 30.11.2018 einer Diplomaten-Delegation aus 12 asiatischen Staaten eine geführte Tour durch Xinjiang gewährt. Berichte über den Erfolg dieses Besuchs habe ich nur in chinesischen Staatsmedien gelesen, jedoch in keinem Medium der betroffenen Staaten. Allerdings gibt es einen brandneuen Bericht aus Kasachstan über den Besuch von Reuters-Journalisten vom 5. – 8.1.2019.

Ihnen wurde das islamische Institut in Urumtschi sowie ein Umerziehungslager gezeigt. Interviews mit Insassen waren unter Beisein von Sicherheitsbeamten möglich: Man hörte die stereotype Antwort, man sei von extremistischem religiösem Gedankengut befallen gewesen und dankbar, dass man durch Ausbildung zum “Blue collar worker” davon befreit werde. Es wurde behauptet, man könne am Wochenende nach Hause. Beten sei nicht erlaubt, weil es sich um eine Erziehungsanstalt handle; beten, das könne man zu Hause. Es wurde nicht erklärt, wie sich dies mit der Praxis der im Hause wohnenden Han-Funktionäre verträgt. Diese Praxis wurde zugegeben.

Ein kleiner Schönheitsfehler war ebenfalls, dass auch im islamischen Institut, das zukünftige Imame ausbildet, nicht gebetet werden darf – eben weil es eine Erziehungsanstalt ist. In diesem Bericht heißt es nun, ca. 2000 ethnische Kasachen seien bereits in der ersten Jahreshälfte ausgereist. Man werde weiter im Gespräch bleiben. Jedenfalls war Kasachstan offenbar von dem, was man seinem Vertreter zeigte, nicht überzeugt genug, dass Kasachen weiter fröhlich in Xinjiang leben können.

Pakistan war bei der Diplomatentour ebenfalls dabei. Imran Khan hat neulich in einem Interview in der Türkei erklärt, er wisse über die Situation nicht Bescheid. In jedem Falle sei China ein unersetzlicher Freund. Wenn er mehr erfahre, werde er vertraulich mit China reden, öffentliche Kritik aber strikt vermeiden. Das klingt auch nicht danach, als sei Pakistan von dieser Tour irgendwie beeindruckt worden.

https://m.youtube.com/watch?v=3lUkU7UlhlI

Daneben hat das Uyghur Bulletin allerdings in Twitter und auf Facebook einen erstaunlichen Bericht von 2015 veröffentlicht. Darin behaupte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu, in Xinjiang sei freie Religionsausübung möglich. Dies möchte ich lieber nicht kommentieren.

Jedenfalls, dass es diese Tour bzw. Touren gab, dass die kasachische Initiative Erfolg hatte, zeigt: China ist gegenüber der öffentlichen Meinung nicht völlig unsensibel. Besonders nicht gegen die Meinung seiner muslimischen Verbündeten. Das ermutigt und verpflichtet Muslime, noch stärker auf die Straße zu gehen. Es verpflichtet muslimische Regierungen geradezu, zumindest hinter verschlossenen Türen, aktiv zu werden.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


Prof. Dr. Hans-Christian Günther

Geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden

Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung

Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

Ausgebildet in Freiburg und Oxford. Stipendiat der DFG und der Alexander von Humboldt -Stiftung. Gerhard Hess Preis der DFG.

Zahlreiche Publikationen (ca. 40 Bücher, u.a. Brill’s Companion to Propertius, Brill’s Companion to Horace) im Bereich der antiken Philosophie und Literatur, der Byzantinistik, Neogräzistik, modernen Literatur und Philosophie, Ethik und Politik. Zahlreiche Versübersetzungen aus dem Lateinischen, Italienischen, Neugriechischen, Georgischen, Japanischen und Chinesischen.

Lehrt regelmäßig in Italien, zahlreiche Gastaufenthalte in der Schweiz, Polen, Georgien, Indonesien, Iran, Seoul, Tokyo und vielen chinesischen Universitäten. Herausgeber mehrerer Buchreihen, im wissenschaftlichen Beirat zahlreicher wissenschaftlichen Zeitschriften.

Auch interessant

USA: Sympathie für Palästinenser erstmals vor Israel

Washington – Die Sympathie der US-Bevölkerung für die Palästinenser liegt erstmals vor der Sympathie für Israel. Das geht aus einer aktuellen landesweiten Umfrage der...

Karasun: „Die AfD bekämpft man nicht mit mehr AfD-Politik“

Ein Gastkommentar von Aras Karasun Sowas gab es in der Geschichte der BRD nicht, weder davor noch danach, von der CDU sowieso nicht. Wir reden...

KI-Boom auf Pump: Versteckte Tech-Schulden erreichen 2,6 Billionen Dollar

Hamburg - Der weltweite KI-Boom wird zunehmend durch Schulden und langfristige Verpflichtungen finanziert. Eine neue Studie des weltweit führenden Kreditversicherers Allianz Trade zeigt, dass...

Uri Poliavich: Gemeindeentwicklung und Schulen

Eine Schule kann mehr als nur ein Ort für Unterricht sein, wenn Familien, Pädagogen und lokale Initiativen denselben Bildungsraum nutzen. Uri Poliavich wird als...

Historiker Çayır: „Die Türken sind Erben der Skythen“

Ein Gastbeitrag von Çağıl Çayır Die Geschichte der Türken beginnt nicht erst mit ihrer Ankunft in Anatolien im Mittelalter. Ihre Wurzeln reichen tief in die eurasische...

Headlines

USA: Sympathie für Palästinenser erstmals vor Israel

Washington – Die Sympathie der US-Bevölkerung für die Palästinenser liegt erstmals vor der Sympathie für Israel. Das geht aus...

Israel verurteilt Sanktionen aus Europa

Tel Aviv - Der Druck auf Israel wegen der Siedlungspolitik im besetzten Westjordanland nimmt zu. Zwölf westliche Staaten haben...

US-Kommentatorin Hernandez – Darf ich vorstellen: Alice Weidel

Ein Gastkommentar von Mariana Hernandez Am Sonntag holte ihre Partei in einem deutschen Bundesland fast 44 Prozent. Sie führte ihren...

Netanjahu zum 7. Oktober: „Sie haben mich nicht geweckt“

Tel Aviv - Im Vorfeld der anstehenden Parlamentswahlen in Israel hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schwere Vorwürfe gegen die eigene...

Meinung

USA: Sympathie für Palästinenser erstmals vor Israel

Washington – Die Sympathie der US-Bevölkerung für die Palästinenser liegt erstmals vor der Sympathie für Israel. Das geht aus einer aktuellen landesweiten Umfrage der...

Uri Poliavich: Gemeindeentwicklung und Schulen

Eine Schule kann mehr als nur ein Ort für Unterricht sein, wenn Familien, Pädagogen und lokale Initiativen denselben Bildungsraum nutzen. Uri Poliavich wird als...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...

CHP: Vatandaşlar ile Parti Arasındaki Artan Kopuş

Nabi Yücel Vatandaşlarla partiler arasındaki giderek derinleşen kopuş, Türkiye'nin en köklü partisi CHP üzerinden somut biçimde gözlemlenebilir. Cumhuriyet Halk Partisi, 38. Olağan Kurultay'ın ardından ve...