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Kommentar: Steht uns eine neuerliche Finanzkrise bevor?

Viele Bücher sind bereits über die aktuelle Finanzkrise geschrieben worden. Hans-Werner Sinn, Deutschlands berühmtester Ökonom, hat seine Analyse der Vorgänge rund um den Crash des Jahres 2007/2008 bereits unter dem Titel „Kasinokapitalismus, wie es zur Finanzkrise kam, und was jetzt zu tun ist“, vorgelegt. Passiert ist seither nicht allzu viel, ganz im Gegenteil.

(Symbolfoto: pixa)
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Steht uns eine neuerliche Finanzkrise bevor?

Viele Bücher sind bereits über die aktuelle Finanzkrise geschrieben worden. Hans-Werner Sinn, Deutschlands berühmtester Ökonom, hat seine Analyse der Vorgänge rund um den Crash des Jahres 2007/2008 bereits unter dem Titel „Kasinokapitalismus, wie es zur Finanzkrise kam, und was jetzt zu tun ist“, vorgelegt. Passiert ist seither nicht allzu viel, ganz im Gegenteil. Die weltweiten Schulden von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten sind seit dem Jahr 2008 um 60% gestiegen. Wenn diese Schuldenblase platzt, droht eine  erneute Finanzkrise.

Ein wackeliges Finanzhaus

Als großer Schuldiger der Finanzkrise gelten die Banken mit ihrem Kasinokapitalismus. Doch woher kommt das Wort überhaupt? Kasino stammt ursprünglich aus der lateinischen Sprache und bedeutet „kleines Haus“. Der Begriff wurde später für eine Villa und für Spieletempel verwendet, bevor es bei Finanzkrisen von Journalisten und Politikern mit dem Kapitalismus in Verbindung gebracht wurde.

Sie werfen den Banken vor, im Finanzsystem wie im Kasino zu spekulieren, ohne die Risiken zu beachten. Dieses „Finanzhaus“ hat deutliche Risse bekommen. Seit es sehr viele Universalbanken gibt, die sowohl das Einlagen- und Kreditgeschäft, als auch Investmentbanking betreiben, ist das Risiko für das weltweite Finanzsystem deutlich gestiegen.

Viele Großbanken sind systemrelevant geworden und „too big to fail“. Das bedeutet, dass sich kein Staat einen Zusammenbruch dieser Banken leisten kann, weil dadurch das Wirtschaftssystem schwer in Mitleidenschaft gezogen werden würde.

Wo liegt das Problem?

Seit dem Ausbruch der letzten Finanzkrise sind die Zinsen im Keller. Die große Menge an Liquidität, die die Notenbanken weltweit in den Markt gepumpt haben, hat dazu geführt, dass es deutlich leichter geworden ist sich zu verschulden. Damit konnten die Notenbanken zwar das Schlimmste verhindern, doch Geld ist dadurch billig zu haben.

Das war offenbar sehr verlockend, nicht nur für Staaten, sondern auch für zahlreiche Unternehmen und private Haushalte. Wie der Internationale Währungsfonds herausgefunden hat, sind die Schulden  fast aller Schuldner seit dem Jahr 2008 noch einmal deutlich angestiegen. Dieser Trend ist nicht nur in den Industrieländern, sondern auch in den Schwellenländern zu beobachten. Die Höhe der Ramschdarlehen hat laut IWF mit 788 Milliarden Dollar bereits wieder jene Höhe erreicht, die es im Jahr 2007, also vor dem Ausbrechen der Immobilienkrise in den USA, erreicht hatte.

Zwar wurden zwei Drittel dieser Kredite in den USA aufgenommen, doch bereits die letzte Krise hat gezeigt, dass die Finanzwirtschaft weltweit so stark vernetzt ist, dass sich niemand so einfach abkoppeln kann. Der IWF hat erst kürzlich vor dem Niveau der Ramschkredite gewarnt, die Märkte sind spürbar nervös. Die Diskussion Italiens mit der EU, rund um sein neues Budget, trägt da nicht zur Beruhigung bei.

Gleichzeitig haben die Notenbanken begonnen, über ein Ende der Phase des billigen Geldes nachzudenken und die Leitzinsen wieder zu erhöhen. Die USA, deren Wirtschaft längst wieder brummt, sind bereits vorangegangen. Die EU wird früher oder später nachziehen müssen. Was passiert, wenn die Notenbanken den Märkten das billige Geld entziehen, das sie nun jahrelang gewohnt waren, kann derzeit niemand mit Gewissheit sagen. Das einmalige Experiment einer de facto Abschaffung der Zinsen neigt sich dem Ende zu. Damit kommen Schuldner automatisch unter Druck.

Wer die Gunst der Stunde in den letzten Jahren für sich genutzt hat und seine Produktivität gesteigert, sowie seine Schulden abgebaut hat, befindet sich nun in einer komfortablen Situation. Die Untersuchungen des Internationalen Währungsfonds deuten jedoch in eine andere Richtung. Ein Paradebeispiel ist der US-Mischkonzern General Electric. Ihm wird nachgesagt, so etwas wie ein Krisenindikator zu sein.

Gerade zuletzt hatte General Electric Bonitätsprobleme. Der ehemals größte Konzern der Welt verliert offenbar das Vertrauen seiner Anleger und ist mittlerweile nicht einmal mehr im Dow-Jones-Index vertreten. Das Rating ist abgesackt, kommt es zu einem weiteren Downgrade befürchten Wirtschaftsexperten Probleme für den ehemaligen Vorzeigekonzern.

Wohin geht die Reise?

Damit die Schuldner beim Platzen der Schuldenblase nicht alle mit leeren Händen dastehen, wäre es vernünftig, die Anstrengungen rund um die Vorsorge zu vertiefen. Grundsätzlich haben die Staaten durchaus einiges unternommen, um für die nächste Krise vorzusorgen. Ob das ausreicht, werden wir früher oder später erkennen. In Europa steht das Thema offenbar regelmäßig auf der  Tagesordnung der EU-Finanzminister.

Der Euro-Rettungsschirm ist weiterhin ein Diskussions-Dauerbrenner, die finanzielle Situation Italiens wird mit Argusaugen verfolgt. Bleibt zu hoffen, dass auch zukünftig Fehlentwicklungen frühzeitig auf dem Radar auftauchen, damit Gegenmaßnahmen getroffen werden können.

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