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Kommentar: Das türkische Wirtschaftswunder

Es ist Weihnachten. Da passt es ganz gut, wenn man über ein Wunder berichten kann. Dieses Wunder fand in der türkischen Wirtschaft statt und nennt sich freier Markt.

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Von Clemens Schmale – Finanzmarktanalyst

Es ist Weihnachten. Da passt es ganz gut, wenn man über ein Wunder berichten kann. Dieses Wunder fand in der türkischen Wirtschaft statt und nennt sich freier Markt. Damit wäre auch schon erklärt, was passiert ist. Marktkräfte haben im Rekordtempo zu einer Anpassung geführt und haben damit das größte Problem der Wirtschaft beseitigt.

Die Türkei hat seit Jahrzehnten eine negative Handelsbilanz. Die ständigen Kapitalabflüsse drücken die Währung ganz automatisch. 2018 kam dann der wahrscheinlich längst überfällige Knall. Anleger glaubten nicht mehr daran, dass die Schulden, vor allem die Auslandsschulden, gezahlt werden können.

Investoren zogen im großen Stil Gelder ab. Die Währung kollabierte. In der Folge stieg die Inflationsrate über 25 % und die Zentralbank hob die Zinsen auf 24 % an. Das kam nicht überall gut an, stabilisierte die Lage aber kurzfristig. Inzwischen haben die Marktkräfte gewirkt und wahre Wunder vollbracht.

(Quelle: godmode-trader.de)

Die schwache Währung hat vor allem dazu geführt, dass weniger importiert wurde. Importe brachen um ein Drittel ein. Im Gegenzug konnten die Exporte ansteigen. Zum ersten Mal seit 30 Jahren überstiegen die Exporte die Importe. Gleichzeitig konnte der Tourismus von der schwachen Lira profitieren.

Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle. Er litt 2016 unter dem Putschversuch. 2017 kam es zu einer Erholung. Trotzdem blieben die Einnahmen unter den Werten von 2015 zurück. 2018 konnte dieser Wert wieder erreicht werden. Das brachte dringend benötigte Devisen ins Land. Tourismus ist ein Dienstleistungsexport. Betrachtet man sämtliche Importe und Exporte (Waren, Dienstleistungen), so ist die Handelsbilanz erstmals seit 2008 wieder positiv. Betrachtet man nur die Waren, muss man in die 80er Jahre zurückblicken.

(Quelle: godmode-trader.de)

Zusammen mit Transferleistungen und der Kapitalbilanz ergibt sich die Leistungsbilanz (Grafik 2), die nun bereits drei Monate in Folge stark positiv ist. Es fließt effektiv wieder Geld ins Land. Das hat in den vergangenen Wochen zu einer deutlichen Aufwertung der Währung geführt. Die Inflation ist mit über 20 % immer noch hoch. Es wird noch Monate dauern bis sie sich wieder normalisiert hat. Die Wirtschaft ist im dritten Quartal geschrumpft. Es ist also noch nicht alles wieder rosig. Das wird noch Zeit in Anspruch nehmen.

Das Hauptproblem, das Leistungsbilanzdefizit, ist behoben. Das geschah in absoluter Rekordzeit. Es brauchte keine Hilfskredite vom Internationalen Währungsfonds oder aus Europa. Die Regierung wollte keine Kredite, um weiterhin frei agieren zu können. Das hat zu einer Schockanpassung geführt. Das Ziel wurde erreicht, wenn auch ziemlich brutal.

Der Theorie nach sollte genau das geschehen. Die Geschwindigkeit ist allerdings bemerkenswert. Es gleicht schon fast einem Wunder, was die freien Marktkräfte so anstellen können.


Dieser Artikel erschien zuerst auf GodmodeTrader


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