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Israel verurteilt Real Madrid nach Treffen mit Ahed Tamimi

Der spanische Rekordmeister Real Madrid könnte sich sehr bald mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert sehen - zumindest in deutschen und israelischen Medien. Der Verein ehrte die 17-jährige Ikone der palästinensischen Befreiungsbewegung, Ahed Tamimi, bei einem Treffen mit einem Trikot. Israelische Politiker bezeichnen sie als Terroristin.

(Foto: Screenshot/Twitter)
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Madrid (nex) – Die palästinensische Teenagerin Ahed Tamimi, die Ende letzten Jahres im israelischen Gefängnis eine achtmonatige Haftstrafe verbüßte, wurde am Samstag vom spanischen Fußballverein Real Madrid zum Besuch des Stadions eingeladen. Sie ist dort mit einem Trikot, welches ihren Namen trug, geehrt worden.

Die 17-Jährige wurde Ende letzten Jahres wegen Schlagens und Schubsens von IDF-Soldaten vor ihrem Haus im Dorf Nabi Saleh im Westjordanland  zu einer achtmonatigen Haftstrafe verurteilt.

Tamimi kam Stunden vor dem erwarteten Derby-Spiel zwischen Real Madrid und Atletico Madrid in Santiago Bernabeu-Stadion an, berichtet die israelische Tageszeitung Haaretz.  Im Stadion traf Tamimi auf Emilio Butragenio, einen ehemaligen Stürmer von Real Madrid, der derzeit als Senior Manager des Vereins tätig ist, und erhielt ein Mannschaftstrikot mit ihrem Namen auf der Rückseite.

Tamimi wurde während ihrer Spanienreise von ihrem Vater begleitet, wo sie an mehreren politischen Veranstaltungen teilnahm, berichtete Haaretz weiter.

Als Reaktion auf Tamimis Ehrung durch Real Madrid tweete der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Emanuel Nachshon, dass der Vorfall beschämend und eine Schande für die Werte des Sports sei.

„Was für eine Schande, Real Madrid akzeptiert einen Terroristen, der zu Hass und Gewalt aufstachelt, was ist der Zusammenhang zwischen diesem und den Werten des Fußballs?“, fragte er.

Daniel Kutner, Israels Botschafter in Spanien, schrieb auf Twitter: „Ahed Tamimi kämpft nicht für den Frieden, sie verteidigt Gewalt und Terror, die Institutionen, die sie empfangen und gefeiert haben, fördern indirekt die Aggression und nicht den Dialog und das Verständnis, das wir brauchen.“

Botschaftssprecher Yoav Katz twitterte, dass Real Madrid „einen Terroristen empfängt, der Hass und Gewalt schürt“.

Tamimis Inhaftierung hatte die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich gezogen und das Bild des Teenagers als palästinensische Ikone hervorgehoben. An mehreren Orten fanden Kundgebungen statt, bei denen nach ihrer Verhaftung im Dezember ihre Freilassung gefordert wurde.

Die Jugendliche wurde verhaftet, nachdem ein Video in den sozialen Netzwerken auftauchte, das sie und ihren Cousin zeigt, wie sie israelische Truppen in der Nähe ihres Hauses anschreit und einen der Soldaten schlägt.

Laut Tamimi hätten die Soldaten einem Cousin eine Stunde zuvor mit einem Gummigeschoss in den Kopf geschossen.

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