Sultanahmet-Attentat
Istanbul: „Warum trauern Deutsche nicht?“

Einen Monat nach dem folgenschweren Anschlag nahe der Sultanahmet-Moschee in Istanbul sind die Opfer kaum noch im öffentlichen Bewusstsein präsent. Nachrichtenxpress hat sich vor Ort umgesehen: Außer türkischen Passanten, die an der Stätte des Anschlages innehalten, erinnert wenig an den blutigen Terrorakt.

Teilen

Istanbul (nex) – Erst einen Monat ist es her, dass ein mutmaßlicher Attentäter der Terrormiliz IS in der Nähe der Sultanahmet-Moschee einen Selbstmordanschlag verübte, bei dem elf Menschen getötet und 14 verletzt wurden. Der nach bisherigen Ermittlungsergebnissen aus Tschetschenien stammende Terrorist hatte sich inmitten einer deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt.

Bis auf einen Peruaner, der Teil der Gruppe war, die anschließend in die Vereinigten Arabischen Emirate weiterfliegen wollte, kamen alle Todesopfer aus Deutschland, drei aus Sachsen, drei aus Rheinland-Pfalz, zwei aus Berlin und zwei aus Brandenburg.

Einen Monat später ist das Thema vollständig aus den deutschen Medien verschwunden. Nachrichtenxpress hat sich am Ort des Geschehens umgesehen um der Frage nachzugehen, wie präsent das Attentat noch in den Köpfen der Menschen vor Ort ist. Am Obelisk Thutmosis III. ist eine kleine Gedenkstätte errichtet worden mit einer deutschen und einer türkischen Fahne. Türkische Bürger legen Blumen nieder. Andere treten an den Ort des Geschehens und beten.

(Foto: Ertem)
(Foto: Ertem)

Weitgehend hat sich das Leben wieder normalisiert. Touristen finden sich wie in früheren Zeiten auf dem Platz ein, es fällt nur auf, dass die meisten davon jetzt aus muslimischen Ländern kommen. Europäische Touristen findet man selten. Die NEX-Reporter haben einige türkische Bürger angesprochen, die am Denkmal innegehalten oder gebetet hatten. Alle machten einen nachdenklichen Eindruck, waren besorgt hinsichtlich der mehr denn je wieder im Alltagsleben der Menschen präsenten Terrorgefahr.

Verwundert sind viele aber auch darüber, dass es offenbar wenig Interesse vonseiten der Deutschen gibt, auch von den Angehörigen. „Ich komme oft hier vorbei, aber ich habe noch nie Deutsche an diesem Ort gesehen. Haben diese Menschen keine Angehörigen, die hier der Opfer gedenken wollten?“, fragt ein Passant. „In Frankreich marschierten Politiker aus aller Welt auf“, bemerkt ein anderer. „Keine Profilbilder in den sozialen Medien mit deutschen Fahnen. Anscheinend sind die Opfer nicht so interessant gewesen.“

Es seien nicht einmal deutsche Politiker zu einer Kranzniederlegung gekommen. „Es ist traurig, dass Europa so schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen ist“, meint eine Frau mittleren Alters, und zieht aus den Geschehnissen die Lehre: „Gegen die Terroristen sollten wir einig sein.“

Auch in deutschen Medien ist einen Monat nach dem Anschlag kaum noch etwas zum Attentat zu lesen, und wenn, hat es nicht mit den Opfern oder ihren Angehörigen zu tun. Allenfalls mit dem Rückgang von Touristenzahlen, weil viele auf Grund der Terrorangst Reisen in Nicht-EU-Länder meiden. Keine Homestorys von Journalisten mit Angehörigen, keine Politikerbesuche. Die öffentliche Erinnerung an deutsche Rentner scheint am Ende doch eine geringere Halbwertszeit zu genießen als die an politisch stromlinienförmige Karikaturisten.

Auch interessant

Erster türkeistämmiger Oberbürgermeister Belit Onay wiedergewählt

Hannover - Belit Onay, Deutschlands erster Oberbürgermeister mit türkischen Wurzeln, hat die Wahl in Hannover mit deutlicher Mehrheit gewonnen und sich damit eine zweite...

Anti-Netanjahu-Proteste: Oscar-Gewinnerin Susan Sarandon festgenommen

New York - Die US-Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Susan Sarandon ist am vergangenen Donnerstag in New York vorübergehend festgenommen worden. Die 79-Jährige hatte sich im Umfeld...

New York: Mamdani erkämpft über 100 Mio. Dollar für Auslieferungsfahrer

New York – Als Zohran Mamdani Bürgermeister von New York werden wollte, warnten seine politischen Gegner vor einem wirtschaftlichen Absturz der Millionenmetropole. Rechte Kritiker...

Palästina-Streit: Javier Bardem will P!nk bei UNICEF absetzen

Madrid - Der spanische Oscar-Preisträger Javier Bardem fordert gemeinsam mit über 170.000 Unterzeichnern die Absetzung der US-Sängerin P!nk als UNICEF-Botschafterin. Hintergrund ist eine Auseinandersetzung...

Das vielseitige Bett 140×200 – die ideale Lösung für Singles, Jugendzimmer und Gästebereiche!

Das Einrichten kleinerer Räume stellt viele Menschen vor eine charmante Herausforderung, bei der jeder Zentimeter zählt. Wenn der Platz begrenzt ist, möchte man auf...

Headlines

Rekord: Mamdani lässt zehntausende Bäume pflanzen

New York – Unter Bürgermeister Zohran Mamdani wurden in der US-Metropole New York im abgelaufenen Haushaltsjahr 2026 so viele...

Anti-Netanjahu-Proteste: Oscar-Gewinnerin Susan Sarandon festgenommen

New York - Die US-Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Susan Sarandon ist am vergangenen Donnerstag in New York vorübergehend festgenommen worden. Die...

Wenn die Welt den Saal verlässt: Netanjahus Realitätsverlust vor der UN

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Wann fängt die Welt eigentlich an, Benjamin Netanjahu beim Namen zu nennen? Was muss dieser...

Palästina-Streit: Javier Bardem will P!nk bei UNICEF absetzen

Madrid - Der spanische Oscar-Preisträger Javier Bardem fordert gemeinsam mit über 170.000 Unterzeichnern die Absetzung der US-Sängerin P!nk als...

Meinung

Rekord: Mamdani lässt zehntausende Bäume pflanzen

New York – Unter Bürgermeister Zohran Mamdani wurden in der US-Metropole New York im abgelaufenen Haushaltsjahr 2026 so viele Bäume gepflanzt wie seit einem...

Armin Laschet fordert Gespräche mit Russland

Berlin - Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Armin Laschet (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die diplomatischen Bemühungen für ein Ende des Ukraine-Krieges...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...