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Schwedens Rückkehr zum Bargeld: Eine Lehre für die Zukunft

Schweden wurde lange als Vorbild für den Übergang zu einer Gesellschaft ohne Bargeld gesehen. Aber seit kurzer Zeit gibt es eine deutliche Änderung.

(Symbolfoto: pixa)
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Schweden wurde lange als Vorbild für den Übergang zu einer Gesellschaft ohne Bargeld gesehen. Aber seit kurzer Zeit gibt es eine deutliche Änderung.

Die Regierung sowie die Riksbank bitten die Bevölkerung nun, wieder mehr Bargeld zu verwenden. Als Grund dafür gelten wachsende Sorgen bezüglich der Anfälligkeit digitaler Zahlungssysteme – etwa bei Cyberangriffen, Stromausfällen oder anderen Problemen. Bargeld kommt als Garantie für Sicherheit und Unabhängigkeit zurück.

Der Weg zur bargeldlosen Gesellschaft

In Schweden hat man früh angefangen, Bargeld im Alltag weniger zu nutzen. Bereits in den frühen 2010er Jahren bauten Banken ihre Bargeldservices gezielt ab. Viele Geschäftsstellen gaben kein Bargeld mehr aus, während Terminals zur Selbstbedienung für Überweisungen sowie Kartenzahlungen wichtiger wurden. Als die Swedbank 2013 in einigen Filialen komplett auf Bargeldservices verzichtete, sorgte dies für besonders viel Kritik – es traf vor allem ältere Menschen, die stark auf Bargeld angewiesen waren.

Auch von der Politik kamen Anstöße. Die Regierung sorgte dafür, dass sich digitale Bezahlsysteme wie Swish schnell verbreiteten – die App fürs Handy wird mittlerweile von den meisten Menschen in Schweden genutzt. Zugleich lockerte man die Pflicht, Bargeld anzunehmen, in vielen Bereichen, sodass viele Läden wie Restaurants gar kein Bargeld mehr annahmen. Zwar wurde das Bezahlsystem dadurch schneller, allerdings gab es auch Protest. Menschen kritisierten, dass bestimmte Gruppen systematisch ausgeschlossen würden und die finanzielle Unabhängigkeit verloren ginge.

Schwedens E-Krona-Projekt

Neben der Reduktion von Bargeld arbeitete die schwedische Zentralbank an der E-Krona, einer digitalen Währung. Sie sollte das Bargeld ergänzen oder gar ablösen.

Das Ziel war, eine staatlich garantierte, sichere Alternative zu privaten Zahlungssystemen anzubieten. Mit der E-Krona sollte der Zugang zu Zahlungsmitteln gesichert sein, besonders in einer Gesellschaft, in der immer weniger Bargeld genutzt wird.

Das Projekt begann 2017 und befindet sich seitdem in der Pilotphase. An zwei Designs für die E-Krona wird gearbeitet: Zum einen gibt es eine kontobasierte Variante, bei der Guthaben direkt bei der Riksbank verwaltet wird, zum anderen eine wertbasierte Version, die offline auf Geräten oder Karten gespeichert sein kann. Beide Ansätze sollen ein widerstandsfähiges, effizientes Zahlungsmittel schaffen, das auch bei Cyberangriffen oder technischen Störungen funktioniert.

Die Einführung der E-Krona ist ein schwieriger Prozess. Zu rechtlichen Hindernissen kommen technische Aufgaben, beispielsweise die Integration in bestehende Zahlungssysteme und die Sicherstellung von Datenschutz. Trotz dieser Probleme bleibt das Projekt ein wichtiger Teil von Schwedens Strategie zur Digitalisierung des Zahlungsverkehrs.

Wendepunkt: Warum Schweden zurück zum Bargeld findet

Der Krieg in der Ukraine sowie Russlands Verhalten haben in Schweden Zweifel an digitalen Zahlungssystemen geweckt. Besonders die Gefahr durch Cyberangriffe bereitet Sorge.

Denn digitale Systeme sind angreifbar – zum Beispiel Stromnetze oder IT-Strukturen. Russland hat früher schon gezeigt, wie gut Cyberangriffe funktionieren, etwa 2022, als diese Angriffe im Ukraine-Krieg zunahmen.

Zur Aufklärung über diese Gefahren gibt die Regierung Schwedens Broschüren mit Tipps heraus, wie Bargeld als Reserve helfen mag. Für eine Woche sollen Haushalte Bargeld besitzen – eine einfache Idee, nur schwierig in einer Gesellschaft ohne Bargeld.

In einem Land wie Schweden, das früher fast ohne Bargeld auskommen wollte, ist diese Umkehr ein deutliches Signal. Zwar sind digitale Systeme nützlich, doch die Abhängigkeit bedeutet in Notzeiten große Risiken.

Kritik an der ausschließlichen Digitalisierung

Die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs scheint zwar fortschrittlich, bringt aber Probleme mit sich. Besonders ältere Menschen, Leute mit wenig Geld oder ohne Zugang zu digitalen Angeboten haben Nachteile. Fast die Hälfte der Befragten sagte in einer Umfrage, sie bräuchten Bargeld für ihren Alltag. Für diese Menschen ist Bargeld wichtig, um finanziell unabhängig zu sein.

Ohne Bargeld gibt es soziale Ungleichheit. In ländlichen Gegenden oder abgelegenen Orten ohne stabiles Internet gibt es oft keine Möglichkeit, nur digital zu bezahlen. Auch Senioren, die sich mit Kartenzahlungen nicht auskennen, und Geflüchtete ohne schwedisches Bankkonto haben Schwierigkeiten. Viele fühlen sich abgehängt, da sie sich an digitale Zahlungssysteme anpassen sollen.

In der Gesellschaft erschwert das die Integration. Alle Gruppen der Bevölkerung brauchen Zugang zu Finanzsystemen – das geht kaum ohne Bargeld. Eine Rückkehr zum Bargeld könnte ein Beispiel für die ganze Welt sein: Ein Schritt zurück, um alle einzubeziehen.

In verschiedenen Industrien spielt echtes Geld eine zentrale Rolle. Das passiert zum Beispiel im Fall von Online Casinos mit echtem Geld. Diese Option ist besonders attraktiv für Nutzer, die keine digitalen Bezahldienste verwenden oder ihre persönlichen Finanzdaten nicht im Internet preisgeben möchten. Während digitale Transaktionen wie E-Wallets oder Kreditkarten weit verbreitet sind, gewinnt auch Bargeld durch hybride Systeme zunehmend an Bedeutung.

Gesetzliche und politische Maßnahmen zur Förderung von Bargeld

Die schwedische Regierung hat eine wichtige Regelung eingeführt. Händler müssen Bargeld als Zahlung akzeptieren. Besonders betroffen sind Läden mit wichtigen Waren, etwa Supermärkte oder Apotheken. Das Ziel: Alle Bürger sollen am Wirtschaftsleben teilnehmen dürfen, selbst ohne digitale Zahlungsmittel.

Weshalb das wichtig ist? Nicht jeder will oder kann digital bezahlen – ältere Menschen, Menschen mit wenig Geld oder Leute aus ländlichen Gebieten könnten sonst nicht mitmachen. Indem Händler Geld annehmen müssen, wird sichergestellt, dass niemand im Alltag Probleme hat. Zusätzlich macht diese Pflicht den Zahlungsverkehr stärker, sollte es zu Krisen kommen, zum Beispiel Stromausfälle oder Angriffe aus dem Netz.

Mit dieser Regelung zeigt Schweden, wie es einen Mittelweg zwischen Fortschritt und der Berücksichtigung der Menschen sucht. Es geht darum digitale Bezahlmethoden voranzubringen – Bargeld aber nicht ganz verschwinden zu lassen.

Bargeld-Depots für Notfallszenarien

Händler sind verpflichtet, Bargeld anzunehmen. Zusätzlich errichtet Schweden ein Netz mit Bargelddepots. Diese Lager dienen als Notfallversorgung, falls digitale Systeme versagen, ebenso als Vorrat für Firmen sowie Kommunen. Die Idee dahinter: Bei großem Infrastrukturausfall, etwa durch Cyberattacken oder Unwetter, bleibt Bargeld als Option verfügbar.

Die Riksbank macht die Stabilität des Finanzsystems zu einer Hauptaufgabe. Die Bargelddepots gehören zu der Strategie. Besonders Firmen in entlegenen Gebieten haben Vorteile dadurch – sie können ihre Arbeit ohne digitale Technik fortsetzen.

Die Schritte zeigen, wie ernst Schweden Gefahren nimmt, ebenso warum Bargeld als Basis eines stabilen Zahlungssystems gilt. In einer unsicherer werdenden Welt sind Bargelddepots eine finanzielle Lebensversicherung – sie stellen eine simple, wichtige Ergänzung zu digitalen Alternativen dar.

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