Imamoğlu-Verhaftung
Türkei: Kaffeekette Espressolab äußert sich zu Boykottaufrufen

Viele kritisierten die CHP dafür, dass sie sich bisher nicht an Boykottaufrufen gegen westliche Waren beteiligt habe, um zum Beispiel auf den Krieg in Gaza aufmerksam zu machen.

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Istanbul – Die Kaffeekette Espressolab, die an der Spitze der von CHP-Chef Özgür Özel angekündigten Boykottliste steht, gab eine schriftliche Erklärung ab. „Wir verstehen nicht, warum wir boykottiert werden“, hieß es in der Erklärung.

Espressolab stand ganz oben auf der Boykottliste, die Özel auf dem gestrigen Treffen mit den Worten „Wir ignorieren diejenigen, die uns nicht sehen“ angekündigt hatte. Das Unternehmen gab heute eine schriftliche Erklärung ab.

„Ich mag alle Arten von Kaffee; türkischen Kaffee, Filterkaffee, ich mag sie alle. Trinken Sie, was immer Sie mögen, aber nicht von Espressolab! Wir werden Espressolab nicht auf dem Campus besuchen, wir werden seinen Kaffee nicht trinken“, sagte Özel weiter.

„Wir verstehen nicht, warum wir boykottiert werden“

In der Erklärung mit dem Titel „Wir verstehen nicht, warum wir boykottiert werden“ hieß es, dass hinter der Marke kein unsichtbarer Partner oder heimlicher Unterstützer stehe und dass es sich um ein Unternehmen der Familie Kocadağ handele.

„Zum ersten Mal in der Kaffeebranche, die von globalen Giganten dominiert wird, ist ein türkisches Unternehmen in dieser Größenordnung gewachsen und auf der Weltbühne erschienen. Wir machen Kaffee, keine Politik. Unsere Türen stehen jedem offen“, heißt es in der Erklärung weiter.

Espressolab:

Als Espressolab sind wir zu einer Marke geworden, die heute in 15 Ländern die türkische Flagge schwenkt, und zwar auf diesem Weg, der 2014 in einer Universität begann, ohne auf politische Verbindungen, staatliche Unterstützung oder Anreize angewiesen zu sein.

Hinter unserer Marke stehen weder unsichtbare Partner noch heimliche Unterstützer. Espressolab ist ein Unternehmen der Familie Kocadağ und hat keine anderen Partner. In der Kaffeebranche, die von globalen Giganten beherrscht wird, ist zum ersten Mal ein türkisches Unternehmen in dieser Größenordnung gewachsen und auf der Weltbühne erschienen. Dieser Erfolg ist nicht nur unser Erfolg, sondern der Erfolg der Türkei.

Die Befürworter eines Boykotts weisen jedoch darauf hin, dass Esat Kocadağ, der Eigentümer von Espressolab, auch der Eigentümer der Restaurantkette Sütiş ist. Es wird behauptet, dass die Tatsache, dass der ehemalige Bürgermeister der Stadt Istanbul, Kadir Topbaş, der Mitglied der AKP ist, ein Cousin von Mevlüt Kocadağ, dem Gründer von Sütiş, ist, für das schnelle Wachstum von Sütiş verantwortlich ist.

Andererseits sei eines der Gründe für die zunehmende Popularität von Espressolab in der Türkei Präsident Recep Tayyip Erdoğan und der MHP-Vorsitzende Devlet Bahçeli gewesen. Nach einem Gebet in der Hagia Sophia Moschee gingen Erdoğan und Bahçeli in Begleitung von Pressevertretern einen Kaffee im Espressolab trinken.

Eine Person, die dabei war, teilte das Foto, das er mit Erdoğan und Bahçeli aufgenommen hatte, in den sozialen Medien mit der Bildunterschrift „Wir haben nach dem Freitaggebet einen Kaffee mit Freunden im Espressolab getrunken“. Sowohl der betreffende Beitrag als auch der Nachrichtenartikel mit der Betonung auf Espressolab wurden zu einer Werbung für die Marke.

Weitere Werbung dank Boykott

Nach dem Boykottaufruf der Opposition konnte die Kette einen weiteren Anstieg ihrer Bekanntheit verzeichnen. In sozialen Netzwerken sagten viele Menschen, dass sie die Marke bisher nicht einmal kannten und ihr nun einen Besuch abstatten würden.

„Ich kannte die Marke nicht einmal, danke für die Werbung, CHP. Ich werde dem Café morgen einen Besuch abstatten“, so ein Nutzer. „Jetzt erst recht“, schrieb ein weiterer.
Viele kritisierten die CHP dafür, dass sie sich bisher nicht an Boykottaufrufen gegen westliche Waren beteiligt habe, um zum Beispiel auf den Krieg in Gaza aufmerksam zu machen. Stattdessen stünden Marken auf der Boykottliste der CHP, die allesamt türkische Unternehmen seien.
Zahlreiche Festnahmen

Im Rahmen zweier separater Ermittlungen der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft gegen die Stadtverwaltung Istanbul wegen Terrorismus und organisierter Kriminalität wurden am Donnerstag der Bürgermeister von Istanbul, Ekrem Imamoğlu, sowie zahlreiche weitere Personen festgenommen.

Die gegen ihn eingeleiteten rechtlichen Schritte betreffen zwei Hauptuntersuchungen: eine Korruptionsuntersuchung im Zusammenhang mit öffentlichen Ausschreibungen und eine kommunale Beschäftigungssache, bei der es um die Einstellung von Personen mit Verbindungen zur terroristischen Vereinigung PKK geht.

Darüber hinaus wirft die türkische Staatsanwaltschaft  Imamoğlu  Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, Erpressung, Bestechung und schwerer Betrug vor.

Money Towers

Ein in den Medien im vergangenen Jahr breit diskutiertes Thema war der Vorwurf, Delegierte des Kongresses und des Großen Parteitags der Republikanischen Volkspartei (CHP), seien von Oberbürgermeister Ekrem Imamoğlu und seinem engsten Kreis bestochen worden.

Diejenigen, die diese Vorwürfe für glaubwürdig hielten und aus dem Hause CHP selbst stammten, reichten daraufhin offiziell Beschwerde bei der Ankaraner Parteizentrale ein.

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