Jerusalem Conference
Gastkommentar: Zionismus und Islamophobie

Inam: "Obwohl ich wusste, dass der Zionismus eine islamfeindliche Ideologie ist, war mir nicht bewusst, dass die heutige Islamophobie durch zwei Konferenzen geprägt wurde"

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Ein Gastkommentar von Ahmet İnam – inam.ahmet@web.de

Die BILD-Zeitung hat dieser Tage wieder einmal gezeigt, was sie kann. Mit der Schlagzeile „Deutsche Kinder konvertieren aus Angst zum Islam“ hat sie wieder einmal gezeigt, welch wertvolle Arbeit sie im Namen des Zionismus leistet. Die BILD-Zeitung gehört zur Verlagsgruppe Axel Springer SE, einem der größten Medienkonzerne Deutschlands.

Sie unterhält nicht nur diese Zeitung, sondern auch andere Zeitungen wie die „Welt“. Beide genannten Zeitungen haben immer wieder deutlich gemacht, wie sie mit reißerischen, rassistischen oder pauschalisierenden Aufmachern zu Ausländern und insbesondere zu Muslimen stehen. Nicht ohne Grund.

In einem Interview mit TRT-World erklärt der Soziologieprofessor David Miller, der wegen seiner Forschungen und Äußerungen zum Zionismus mehrfach des Antisemitismus beschuldigt und von der Universität Bristol suspendiert wurde, sich aber vor dem Arbeitsgericht erfolgreich dagegen wehrte, dass der Zionismus die heutige Form der Islamophobie maßgeblich geprägt habe.

Obwohl ich wusste, dass der Zionismus eine islamfeindliche Ideologie ist, war mir nicht bewusst, dass die heutige Islamophobie durch zwei Konferenzen geprägt wurde, die der Zionist Benjamin Netanyahu 1979 und 1984 organisierte. Vielleicht liegt es an den wenigen Büchern, die ich zu diesem Thema besitze, denn es ist nicht unbedingt mein Spezialgebiet, aber ich habe diese Behauptung in deutschsprachigen Büchern nicht gefunden.

Ich habe dann in englischsprachigen Büchern gesucht und bin fündig geworden. Sie enthalten das, was Miller im Interview gesagt hat, nämlich dass vor allem diese beiden Konferenzen dazu beigetragen haben, dass seither in Wissenschaft, Politik und Medien immer wieder von „islamischem Terror“ die Rede ist.

Beide Konferenzen mit dem Titel „International Terrorism Conference“ wurden vom Jonathan Institute organisiert. „Jonathan“ ist der Name des Bruders des derzeitigen israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu. Benjamin und sein Vater gründeten das Institut im Gedenken an Jonathan, der als Soldat bei der Befreiung jüdischer Geiseln getötet wurde. Die Geiseln waren von kommunistischen (palästinensischen und deutschen) Terroristen entführt worden.

1979 fand in Jerusalem die erste Konferenz zu diesem Thema statt, zu der Politiker wie der damalige Präsidentschaftskandidat und CIA-Chef George Bush Sr. oder Akademiker wie Richard Pipes, Vater des islamophoben Daniel Pipes, der gerne über den „islamischen Terror“ schreibt, eingeladen waren. Die Gäste lauschten Netanyahus Definition von Terrorismus, die eher als Vorspiel zur Durchsetzung zionistischer Interessen gegen Palästinenser/Muslime verstanden werden kann. Dabei nahm er bestimmte Ereignisse wie die iranische Revolution oder Entführungsaktionen zum Anlass.

War der „islamische Terrorismus“ auf dieser ersten Konferenz noch nicht Hauptthema der Vorträge und Diskussionen, so sollte sich dies mit der zweiten Konferenz 1984 in Washington ändern. Auch an dieser Konferenz nahmen wieder bekannte Gesichter aus Politik, Wissenschaft und Medien teil.

Unter den Teilnehmern waren Politiker der Reagan-Administration wie Außenminister George Shultz, britische Politiker wie Lord Chalfont, Akademiker wie Bernard Lewis, Paul Johnson oder Elie Kedourie und mehrere Autoren und Journalisten wie Claire Sterling oder Arnaud de Borchgrave. (1)

Auch diese Konferenz fand in Politik und Medien große Beachtung. Der Inhalt der Vorträge wurde später von Benjamin Netanyahu in seinem Herausgeberwerk „Terrorism: How the West Can Win“ veröffentlicht. Über dieses Buch, das ein Bestseller werden sollte, sagte Edward Said, es enthalte mehrere Essays von akademischen Experten über den Islam, die „in jedem anderen Bereich als schlimmster Rassismus oder schlimmste Inkompetenz gelten würden“. (2)

In dieser zweiten Konferenz war die Sitzung zum Thema „Terrorism and the Islamic World“ besonders bemerkenswert, da in dieser Sitzung (und später im Buch) die Grundlagen für die rassistische Agenda vom „islamischen Terrorismus“ gelegt wurden.

Es war vor allem Bernard Lewis, der in dieser Sitzung mit seiner „Expertise“ den Islam als politische Ideologie zeichnete und für seine inkompetenten (und zionistischen) Behauptungen aus dem Leben des Propheten Muhammad fischte. Muhammad habe einen politischen Staat gegründet, daher sei der Islam eine politische Ideologie. Deshalb könne man von „islamischem Terrorismus“ sprechen, nicht aber von „christlichem“ oder „jüdischem Terrorismus“.

Dass einige biblische Propheten auch „Staatsmänner“ waren, wird dabei natürlich ausgeklammert. Seit dieser zweiten Konferenz wurden Publikationen, Dokumentationen, Berichte und Pressemeldungen über den angeblichen „islamischen Terrorismus“ programmatisch und systematisch gefördert und verbreitet. Insbesondere nach dem Anschlag vom 11. September, über den sich Netanjahu freute und dessen erste Äußerung „very good“ war, weil er damit die amerikanische Unterstützung im „Krieg gegen den Terror“ größer und uneingeschränkter hielt (3), überschlugen sich die „akademischen“ Publikationen aus aller Welt.

Eine Studie von Sarah Marusek von der Universität Leeds zeigt, wie stark der Zionismus bei der Verbreitung von Islamophobie vertreten ist. Von den 60 Wohltätigkeitsorganisationen, von denen bekannt ist, dass sie islamfeindliche Netzwerke finanziell unterstützen, sind 45 für ihre Unterstützung der israelischen Besatzungspolitik und der illegalen Siedlungen bekannt. Zwischen 2009 und 2013 sollen diese Organisationen 169 Millionen Dollar für diese illegalen Zwecke gespendet haben. (4)

Womit wir wieder bei Axel Springer wären. Während die Welt-Zeitung den Slogan „From the River to the Sea“ als einen antiisraelischen Slogan, als „einen Code für die Auslöschung des Staates Israel“ (5) deklariert, sehen die Springer-Medien kein Problem darin, ihr Werbeportal Yad2 zu nutzen, um mit eben diesem Slogan für illegale Siedlungen zu werben. (6)

So veröffentlichen sie einerseits islamfeindliche und antipalästinensische Nachrichten und Berichte in ihren Zeitungen WELT und BILD, beschäftigen sogenannte Islamexperten, die von morgens bis abends wie Chorknaben „Der Islam ist böse“ singen, schwärmen gerne vom „islamistischen Terror“ und tragen maßgeblich zur Verbreitung der Islamophobie in Deutschland bei, während sie andererseits die illegalen Siedlungen in Israel unterstützen.

Christlicher Zionismus

Der Zionismus ist nicht nur eine jüdisch-rassistische Ideologie, sondern vor allem eine christlich-rassistische und messianische Ideologie. (7)

Noch vor den jüdischen Zionisten haben ihre christlichen „Brüder“ diese Ideologie begründet und zum Blühen gebracht. Warum „Brüder“ in Anführungszeichen? Wenn man die verschiedenen evangelikalen und jüdischen Doktrinen des Zionismus durchdenkt, wird sofort klar, dass beide Gruppen sich gegenseitig ausnutzen und betrügen, um ihre ultimativen Ziele zu erreichen.

Amerikanische Präsidenten, ob Demokraten oder Republikaner, unterstützen Israel nicht für das Wohl der Juden, sondern für das christliche „Tausendjährige Reich“. Aber vorher muss Groß-Israel gegründet werden, alle Juden der Welt müssen dort sein und der Messias muss kommen. Je nachdem, welcher Messias kommt, werden entweder alle Nichtjuden oder alle Nichtchristen getötet.

Das mag für manche LeserInnen in Deutschland absurd klingen, doch es gibt nicht wenige mächtige Personen, die an solche Heils- (bzw. Vernichtungs-)Vorstellungen glauben. Dazu gehören Ronald Reagan, George W. Bush, aber auch der jetzige US-Präsident Joe Biden, der sich öffentlich als Zionist bezeichnet hat.

Ob es sich bei der Axel Springer SE um die gleichen Intentionen handelt, kann ich nicht sagen, auch wenn die gleichen Muster (Islam ist böse, Israel über alles) erkennbar sind. Axel Springer „ließ alle seine Mitarbeiter unterschreiben, dass sie sich für eine „Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen“ einsetzen sowie die „Lebensrechte des israelischen Volkes“ unterstützen.“

Ein Grundsatz, der noch heute im Verlag gilt“ (8)

Und wer eine pro-palästinensische Haltung einnehme, solle, so der heutige Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner, „kündigen“. (9)

Ob Springer, der im NS-Regime Karriere machte und für die NS-Propaganda mitverantwortlich war, wirklich in einen Gewissenskonflikt geriet und einseitig Israel als Mittel zur Versöhnung zwischen Deutschen und Juden unterstützte, lässt sich nicht sagen. Dass er aber in einer christlich-zionistischen Gemeinschaft, der Marienschwesternschaft, seine geistige Heimat fand, schon. (10)

Und auch der heutige Vorstandsvorsitzende des Medienkonzerns, Mathias Döpfner, hat mit seinem Bekenntnis „Ich bin ein nichtjüdischer Zionist“ (11) seine einseitige Parteinahme für Israel allzu deutlich gemacht als er von der Hamas und anschließend über den „islamistischen Fanatismus“ sprach.

Mit dem letzten Punkt meinte er undifferenziert alle Muslime, stilisierte gleichzeitig alle palästinensischen Mütter zu Brutstätten von Selbstmordattentätern und erwähnte mit keinem Wort, wofür der Zionismus steht. Kein Wort also über den Fanatismus der christlichen oder jüdischen Zionisten.

Döpfners Brief hätte auch von Benjamin Netanjahu stammen können, der auf seine beiden „International Terrorism Conference“ stolz sein kann, zumal die rassistische und zionistische Agenda dieser Konferenzen bis heute nachwirkt.

Ob diese Hassbotschaften auch in Zukunft wirksam sein werden, bis der nach zionistischer Vorstellung keineswegs friedliche, sondern blutrünstige Messias kommt, wird sich zeigen.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


1 Für die Liste aller Teilnehmer, siehe: Ronald Reagan Presidential Library Digital Library Collections.

2 Terrorism, Media, Liberation (Ed. J. David Scolum), S. 153.

3 The Islamophobia Industry, Nathan Lean, S. 144.

4 Vgl. What is Islamophobia? (Ed. U.a. David Miller), S. 200.

7
F
ür weitere Infos, siehe: Vernetzte Islamfeindlichkeit, Oliver Wäckerlig.

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