Grauer Wolf-Deebatte
Oezcan: „Der Nationalismus ist im Islam verboten“

Das übersteigerte Nationalbewusstsein führt im sozialen Zusammenleben zu gesellschaftlichen Störungen innerhalb eines Staates und auch in der toxischen Beziehung zu anderen Staaten.

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ein Gastkommentar von M. Teyfik Oezcan

Im Zeitalter der Vierten Macht versuchen die Medien in Deutschland ihre Deutungshoheit nach Belieben zu missbrauchen sowie willkürlich die Linien der Abgrenzung zwischen Patriotismus und Nationalismus zu ziehen.

Sie nehmen sich dabei das Recht heraus zu entscheiden, wer ein Nationalist und wer ein Vaterlandsfreund ist. Ein Patriot zeichnet sich dadurch aus, dass er mit seiner Vaterlandsliebe eine innige Beziehung zu den kulturellen Werten, der nationalen Geschichte und den historischen Leistungen des Volkes, mit denen man lebt, pflegt.

Hinzu kommt ein besonderes Verhältnis zu den Symbolen seines Landes. Dazu zählen Flaggen, Hymne, Orden, Kultbilder aus der Tier- und Pflanzenwelt wie beispielsweise Grauer Wolf und Tulpen bei den Türken. In der Quintessenz bildet ein gesunder Patriotismus das Fundament sowie den Rahmen einer stabilen und zusammenwachsenden Gesellschaft.

Der Nationalismus wiederum enthält auch die besonderen Merkmale des Patriotismus, aber zeichnen sich durch übertriebene Vaterlandsliebe und einen falsch verstandenen Patriotismus aus. Im Gegensatz zum Patriotismus werden im Nationalismus andere Nationen, Ethnien sowie Religionen mit Überheblichkeit und Arroganz abgewertet.

Das übersteigerte Nationalbewusstsein führt im sozialen Zusammenleben zu gesellschaftlichen Störungen innerhalb eines Staates und auch in der toxischen Beziehung zu anderen Staaten. Der Grund für viele Kriege war geschichtlich betrachtet der ausufernde Nationalismus, der für den Tod und das Leid von Millionen von Menschen verantwortlich zeichnet.

Zusammengefasst kann man sagen, ein Patriot liebt sein Vaterland, ein Nationalist aber liebt sein Vaterland und verachtet zusätzlich andere Länder. Nach der Lesart von einigen deutschen Medienanstalten wird das Zeigen von Flaggen je nach Staat, als patriotisches Wedeln oder in böswilliger Manier als gefährlichen Nationalismus gedeutet. Es wird bewusst nach Ländern unterschieden, um die eigenen Interessen zu bedienen.

Das Flanieren mit den Fahnen der USA, GB oder Frankreich wird mit Patriotismus gleichgesetzt, aber eine türkische Fahne wird den Lesern und Zuschauern automatisch als ein Zeichen des Nationalismus verkauft. Das Zeigen der Flagge der in Deutschland verbotenen Terrororganisation PKK wird von vielen deutschen Medienschaffenden absichtlich ignoriert, aber das Schwingen der türkischen Fahne erfährt aber emotional aufgeladen eine Dämonisierungskampagne.

Nach dem Anschlag von Hanau am 19. Februar 2020 fand einige Tage später ein Trauermarsch und eine anschließende Kundgebung mit 16.000 Teilnehmern statt, wo mehrheitlich türkische Fahnen geschwenkt wurden. Diese emotionale Zuwendung der Teilnehmer wurde von einer sogenannten „Journalistin“ vom HR als ein Zeichen von Nationalismus falsch gewertet. Hingegen das Zeigen der Fahnen der PKK auf einer anderen Veranstaltung in Hanau wurde erwartungsgemäß nicht thematisiert.

Das Verhältnis der Türkischstämmigen zu Patriotismus und Nationalismus

Die in Europa lebenden Türken und die türkischstämmigen Europäer sind per se keine Nationalisten. Sie stellen ihr Volk und ihren Staat nicht über das Volk eines anderen Staates. Diese gesunde und humane Weltanschauung entstammt der alten Tradition des Osmanischen Reiches, in dem Nationalismus nicht zur Staatsdoktrin gehörte.

Übrigens war der ausufernde Nationalismus, der Ende des 19. Jahrhunderts in Mode kam, für den Zerfall des Osmanischen Reiches und des Deutschen Reiches mitverantwortlich. Der Nationalismus ist im Islam verboten Man darf natürlich auch den wichtigen, religiösen Aspekt nicht vernachlässigen. Vor Gott/Allah sind alle Menschen gleich, daher gibt es im Islam keine Überlegenheit einer Rasse oder einer Nation. Der Nationalismus ist im Islam definitiv verboten.

Die Türken und die türkischstämmigen Europäer legen viel Wert auf ihre Tradition sowie Kultur und haben ein gesundes Verhältnis zu Staat sowie Nation, ohne andere Nationen und Staaten als minderwertig anzusehen respektive sie zu verunglimpfen. Der Nationalismus ist ein Grundübel unserer Zeit!


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


 

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