Kommentar:
Die Kenntnisse der Deutsch-Türken über die Genozidvorwürfe der Armenier

Die historischen Ereignisse von 1915 sind ein elementarer Teil der armenischen Identität und spielen für Türken überhaupt keine Rolle. Deswegen wissen wir, im Gegensatz zu den Armeniern, herzlich wenig über die Ursprünge der türkisch-armenischen Animositäten. Ein Kommentar.

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Ein Gastkommentar von Isa Ak – ak-isa@gmx.de

Die historischen Ereignisse von 1915 sind ein elementarer Teil der armenischen Identität und spielen für Türken überhaupt keine Rolle. Deswegen wissen wir, im Gegensatz zu den Armeniern, herzlich wenig über die Ursprünge der türkisch-armenischen Animositäten. Um effektiv gegen die Genozidvorwürfe vorzugehen, müssen wir ein Bewusstsein für das Problem schaffen. Was tun?

Die meisten Deutsch-Türken haben kaum Kenntnisse über die Völkermord-Anschuldigungen vieler Armenier. Das hat mehrere Ursachen: Kein Interesse an Geschichte im Allgemeinen, das geringe Interesse an der vorrepublikanischen Historie, die überwiegende Hervorhebung des türkischen Unabhängigkeitskriegs und die bedeutende Rolle Atatürks, der den Befreiungskampf angeführt und die Republik gegründet hat.

Diese Ahnungslosigkeit führt unweigerlich zu noch katastrophaleren Aussagen und Taten. Wir wissen nicht wer die Jungtürken sind, unter welchen Bedingungen das Osmanische Reich in den letzten Jahren seinen Fortbestand bewahrte, dass der Balkan genauso die Heimat der Türken war wie Anatolien, die Massenmorde und Vertreibungen von Millionen von Türken und Muslimen im 19. Jahrhundert vom Balkan und dem Kaukasus usw.

Gleichzeitig trauen wir uns nicht in einem Umfeld (z.B. in der Schule) in dem die Anschuldigungen zur Sprache gebracht werden uns gegen die Anschuldigungen zu wehren. Wir sind lieber still und leise, weil wir Angst haben und nicht das nötige Wissen besitzen.

Deswegen ist es wichtig Bücher wie zum Beispiel Guenter Lewys „Der armenische Fall: Die Politisierung von Geschichte Was geschah, wie es geschah und warum es geschah“ oder Brendon Cannons „Konstruiert, Instrumentalisiert, Politisiert: Geschichte im Fadenkreuz der armenischen Lobby“ zu lesen. Damit man argumentativ etwas vorbringen kann.

Doch wer ist bereit zu lesen? Und wer ist bereit sich, seinem Sohn oder seiner Tochter ein Buch für 20€ oder 30€ zu kaufen? Wer ist bereit in die Zukunft seiner Kinder zu investieren? Stattdessen kaufen wir unseren Kindern für 250€ eine Spielkonsole und des Öfteren teures Spielzeug.

Was sollten Deutsch-Türken tun?

Da ich in Deutschland geboren, aufgewachsen und sozialisiert wurde, richtet sich mein Ratschlag in erster Linie an die Deutsch-Türken:

1. Die Kenntnis über unsere Geschichte und die unseres Landes ist ein wichtiges Mittel, um unsere Vergangenheit zu kennen, ein historisches Bewusstsein aufzubauen und unsere Identität zu formen.

2. Wir müssen die Lücken in den Argumentationsketten der Genozid-Verfechter kennen lernen und bei Debatten erfolgreich in die Diskussion einführen, damit sie die Menschen zum Nachdenken anregen können.

3. Man muss Bücher kaufen, die die Genozid-These infrage stellen, um damit Verlage zu unterstützen. Dadurch wird es mehr Bücher auf dem deutschen Markt geben, weil man merkt, dass es sich finanziell lohnt und es einen Markt dafür gibt. Doch wer von uns nimmt sich die Zeit Bücher zu lesen? Wir sitzen lieber vor dem Bildschirm und schauen uns Filme und Serien an. Wir sind bereit 5x die Woche Döner zu essen für 5€ (zirka 25€ die Woche) anstatt für ein Buch 15€ bis 30€ im Monat auszugeben.

4. Es gibt mittlerweile viele erfolgreiche türkeistämmige Geschäftsmänner und -frauen, die sich Unternehmen aufgebaut haben und viel Geld verdienen, oder die einem Beruf nachgehen, in dem sie ein hohes Gehalt beziehen. Diese müssen materielle Unterstützung leisten. Wie? Sie sollten Bücher übersetzen lassen, die die Völkermordthese infrage stellen und diese vielen Menschen zugänglich machen.

Des Weiteren sollten Historiker, die zum Thema forschen und wissenschaftlich hochwertige Bücher zum Thema publizieren wollen, finanziell unterstützt werden.

Ich kenne mindestens drei Historiker, (alle beherrschen mehrere Sprachen, zwei haben bereits ihre Dissertation geschrieben, einer schreibt gerade an seiner) die auf diesem Themenfeld forschen wollen und für ihre Forschungsreisen finanzielle Mittel benötigen (um andere Länder und ihre Archive zu besuchen). Dabei würde ein Aufenthalt in den russischen Archiven für zirka ein Monat (Unterhalt/Forschung/Kopien von Dokumenten aus den Archiven) nur ungefähr 2.500 – 3.000 Euro pro Historiker kosten.

Eigentlich müsste es ein Witz sein diese monatlichen Kosten für mehrere Wissenschaftler zu begleichen. Vor allem, wenn man bedenkt, wie viele türkeistämmige in Deutschland leben. Es gibt viel zu tun. Und der Gedenktag (24. April) der Armenier steht wieder vor der Tür.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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– NEX24-Interview –
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