Tod Baghdadis
Kommentar: Wie gelang Baghdadi über YPG-kontrolliertes Gebiet nach Idlib?

Der "Kalif" der Terrororganisation "Islamischer Staat", Abu Bakr al-Baghdadi, ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump bei einem Einsatz von US-Spezialkräften getötet worden. Überraschenderweise aber nicht im Osten Syriens, sondern in der Rebellenhochburg Idlib im Nordwesten.

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Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Der „Kalif“ der Terrororganisation „Islamischer Staat“, Abu Bakr al-Baghdadi, ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump bei einem Einsatz von US-Spezialkräften getötet worden. Überraschenderweise aber nicht im Osten Syriens, sondern in der Rebellenhochburg Idlib im Nordwesten.

Schon acht Mal wurde der Kalif der IS, Abu Bakr al-Baghdadi, getötet. Aber heute Wissen wir es genauer, der US-Präsident hat uns aufgeklärt. Er wurde laut US-Präsident Trump von den Delta Force gestellt, al-Baghdadi sprengte sich jedoch samt Frauen und Kindern selbst in die Luft.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte kurz danach, man habe keine gesicherten Erkenntnisse darüber, dass es sich bei dem Toten um al-Baghdadi handelt.

US-Präsident Trump bedankte sich jedenfalls in seiner Rede recht herzlich, nicht nur bei den Streitkräften der 1st SFOD-D, auch genannt Delta Force, die die Operation ausgeführt haben soll, sondern auch bei den eingesetzten Spürhunden. Offenbar galt der Dank nicht diesen Spürhunden, sondern anderen, wie wir jetzt feststellen werden.

Wie aus der Pistole geschossen meldete sich kurz nach bekannt werden der Operation in der Nacht von Freitag auf Samstag der hochrangige Oberkommandierender der „Demokratischen Kräfte Syriens“ (SDF) und Mitglied der Terrororganisation PKK, Mazlum Kobanê. Noch bevor Trump vor die Kameras trat um Einzelheiten über die Operation zu nennen, vereinnahmte Mazlum Kobanê die Operation auch für sich bzw. die SDF. Man verdanke die Operation den Informationen der SDF, sprich „Kurden“ hätten die entscheidenden Hinweise gegeben.

In sozialen Netzwerken kann sich Mazlum Kobanê dabei auch reichlich auf die Unterstützung aus den Staaten stützen, die laut Insiderwissen die Angaben der SDF stützen. So twittert z.B. Lara Seligman, die SDF habe mit dem US-Militär fünf Monate zusammengearbeitet, um al-Baghdadis Aufenthaltsort ausfindig zu machen.

Nun, da haben sich die SDF aber mächtig Zeit gelassen, diesen Kalifen zu suchen. Fünf lange Jahre stehen die SDF inzwischen wie eine Mauer zwischen der Region Idlib und dem Irak, wollen aber nicht bemerkt haben, wie al-Baghdadi von seinem letzten bekannten Aufenthaltsort im Irak in das gegenwärtig bekannt gewordene Aufenthaltsort gelangt ist. Er muss ja schließlich mit einem Tross vom Osten quer über kontrolliertes Gebiet in die Region Idlib gelangen – mehr als 500 km.

Man muss die Frage auch anders stellen: wieso war man erst vor fünf Monaten in der Lage, den Schlächter zu suchen, wenn man seit fünf Jahren glaubhaft machen will, eine sichere Zone in Nordsyrien betrieben zu haben?

Ist ja nicht so von Bedeutung, aber die Tötung von al-Baghdadi erfolgt kurz nach dem die türkische Militäroffensive begonnen und das türkische Militär sich weiterhin tief in das Landesinnere Nordsyriens vorgewagt hat.

Jetzt, wo die türkische Offensive in Nordyrien fast schon unter Dach und Fach ist, taucht plötzlich al-Baghdadi mitten in der Rebellenhochburg auf. Der türkische Journalist Mete Sohtaoğlu verweist nun auf einen Deal zwischen der YPG/SDF/USA sowie der IS, die des Öfteren im Jahre 2017 zustande kam. So u.a. in Rakka, in der die eingeschlossenen IS-Milizkämpfer sich mit der SDF/YPG arrangierten sowie freies Geleit bekamen und seitdem wie vom Erdboden verschluckt waren. Tauchen diese nun in Idlib auf?

Hier setze ich immer das Prinzip der Parsimonie an, um weiterzukommen, schließlich wird die Geschichte immer verrückter und undurchsichtiger. Von mehreren hinreichenden möglichen Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen. So ist eine Theorie einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält und wenn diese in klaren logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt logisch folgt.

Halten wir also fest:

  • Abu Bakr al-Baghdadi starb inzwischen mindestens acht Mal.
  • Die USA, ihre Anti-IS-Koalitionspartner wie auch SDF/YPG, verhandelten 2017 mehrmals mit IS-Strukturen um Einstellung der Kämpfe. Im Gegenzug sicherte man der IS freies Geleit aus umkämpften Städten im Irak wie Nordsyrien.
  •  Assad und russische Streitkräfte bekämpfen, wie die türkischen Streitkräfte, den IS.
  • Die Türkei hat bislang mehrere IS-Anschläge durchlebt. Bislang starben dabei in Ankara (107), Gaziantep (54), Atatürk Flughafen Istanbul (45), Reina Istanbul (39), Suruc (34), Sultanahmet Istanbul (13), Diyarbakir (5), Istiklal Istanbul (4) und Nigde (3) Menschen.
  • Fünf Jahre lang konnte al-Baghdadi nicht gefasst werden.
  • Am 9. Oktober startet die Türkei ihre militärische Operation der türkischen Streitkräfte in den nördlichen Provinzen Syriens.
  • Am 17. Oktober einigen sich die USA mit der Türkei über den Rückzug der SDF/YPG.
  • Am 22. Oktober einigen sich Russland und die Türkei über den Rückzug der SDF/YPG.
  • Am 26. Oktober soll al-Baghdadi offenbar getötet worden sein, durch Selbstmord.
  • SDF/YPG erklären, entscheidende Hinweis für die Operation geliefert zu haben. Man arbeite daran seit fünf Monaten.
  • Irakische Quellen erheben ebenfalls den Anspruch, den USA die entscheidenden Erkenntnisse geliefert zu haben und verweisen auf Angehörige von al-Baghdadi, die man zuvor verhaftet habe.

Jeder kann selbst und frei seine Schlüsse ziehen.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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