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Türkisch-amerikanische Sicherheitszone: Syrische Flüchtlinge erhoffen Rückkehr

Mit der Einrichtung einer Sicherheitszone in Nordsyrien hofft die Türkei syrischen Flüchtlingen eine sichere Rückkehr zu ermöglichen. 

(Foto. Screenshot/AA)
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Ankara – Mit der Einrichtung einer Sicherheitszone in Nordsyrien hofft die Türkei, syrischen Flüchtlingen eine sichere Rückkehr zu ermöglichen.

Türkische Militärbeamte und ihre US-Pendants besprachen am vergangenen Mittwoch Einzelheiten der geplanten Sicherheitszone und sagten, dass beide Parteien sich darauf geeinigt haben, das Gebiet in einen „Friedenskorridor“ zu verwandeln, und dass Maßnahmen ergriffen werden, um die Rückkehr von Syrern zu gewährleisten, die durch Gewalt aus ihrem Land vertrieben wurden.

Seit dem Ausbruch eines blutigen Bürgerkriegs in Syrien im Jahr 2011 mussten Millionen von Menschen aus ihrem vom Krieg zerrütteten Land fliehen. In der Türkei leben derzeit insgesamt 3,6 Millionen Syrer, von denen sich viele auf die Rückkehr in ihre Heimat freuen.

„Es ist über vier Jahre her, dass wir mit meiner Familie hierher gezogen sind. Wir haben viele Möglichkeiten, aber wir sehnen uns nach unserer Heimat“, so etwa der in der türkischen Hauptstadt Ankara lebende Mohammad al-Saadi, 42, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Anadolu.

Saadi habe früher in der nordwestsyrischen Stadt Idlib gelebt, musste jedoch aufgrund regelmäßiger Luftangriffe durch das Regime und russischer Kampfjets flüchten.

„Du kannst dir nicht vorstellen, wie schwierig es ist zu schlafen, während du den Überschnallknall von Kampfflugzeugen, Explosionen und Schüssen hörst“, sagt er und fügt hinzu, dass fast alle syrischen Bürger, die in oppositionell kontrollierten Regionen leben, psychische Störungen durch den endlosen Kriegszug des Regimes und seiner Verbündeten erlitten haben.

Auf die Frage, ob er eine Rückkehr nach Syrien in Betracht ziehen würde, sobald eine Sicherheitszone im Norden des Landes eingerichtet wurde, antwortete er: „Nicht nur ich, es gibt mindestens ein Dutzend [Leute], die ich kenne, die sofort zurückkehren würden, wenn das der Fall wäre. Es ist vielleicht nicht meine Heimatstadt, aber es ist Teil meines Landes.“

„Ich will kein Ausländer sein“

Ein weiterer Syrer in der Türkei, Omar al-Maher, sagt, er habe bis 2014 als Mechaniker in der Stadt Homs gearbeitet. Nach Zusammenstößen zwischen Oppositionskräften und des Regimes, war er jedoch gezwungen, seine Heimat für Idlib zu verlassen.

„Man kann nicht beschreiben, wie es sich anfühlt, unter ständiger Todesangst zu leben. Wir hatten vor dem Bürgerkrieg ein bescheidenes Leben geführt, aber in den darauffolgenden Jahren hat sich alles verändert“, beklagte er. „Ich vermisse sogar die schwierigen Arbeitstage, über die ich mich den ganzen Tag beschwert habe.“

„Meine Familie und ich würden nach Hause zurückkehren, es spielt keine Rolle, ob es der Norden oder Süden ist, wenn wir eine Chance hätten. Die Türken waren gut zu uns, das ist eine Tatsache. Aber ich will nirgendwo ein Ausländer sein, weder in der Türkei noch in Europa. Wir wollen nur zurückkehren, es ist so schwierig, von seiner Heimat fern zu sein“, sagte er.

Eine 29-jährige Syrerin, die unter der Bedingung der Anonymität mit Anadolu sprach, sagt, dass viele der Menschen, die in der Türkei Schutz suchen, in ihre Heimat zurückkehren würden, sobald das Gebiet von terroristischen Elementen befreit und die Sicherheit der Syrer gewährleistet sei.

„Es gibt Menschen [Terrorgruppen] mit bösen Absichten, sie müssen zuerst gehen, damit wir ein normales Leben führen können. Niemand möchte an einem Ort leben, an dem Kugeln jeden Moment auf dich zielen können“, sagte sie.

„Alles, was ich will, ist ein normales Leben in meinem Land zu führen und meine Kinder großzuziehen, ohne an ihre Sicherheit zu denken, während sie Fußball spielen“, sagte sie. „Es ist das Recht, ohne Angst zu leben, ich bin ein Mensch, ist es zu viel, um ein normales Leben zu verlangen?“

Vanessa Tinker, eine Wissenschaftlerin an der Universität für Sozialwissenschaften in Ankara, argumentierte, dass vertriebene Syrer bei der Anpassung an die Region anfängliche Schwierigkeiten haben könnten, und dass ihre Sicherheit gewährleistet sein müsse, um diesen Prozess zu erleichtern.

„Abgesehen von den Lebensbedingungen, sind die anhaltenden Sicherheitsbedrohungen beunruhigender. Trotz der Vereinbarung vom Mittwoch, zwischen der Türkei und den USA, eine „sichere Zone“ zu schaffen, gab es keine Informationen darüber, woraus diese Vereinbarung bestehen würde“, sagte Tinker, eine Expertin für Konfliktlösung.

Sie fügte hinzu, dass die Umsiedlung von Syrern in der Türkei nach einer bevorstehenden Operation in Nordsyrien akribisch arrangiert werden sollte, da eine Kollision – zwischen kurdischer und arabischer Bevölkerung – zu Unruhen in der Region führen könnte.

Laut UNO sind seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2011 über 5,6 Millionen Menschen aus Syrien geflohen. Unter den Ländern, in denen Syrer leben, hat die Türkei mit 3,6 von ihnen innerhalb ihrer Grenzen die meisten aufgenommen. Andere wichtige Gastgeberländer sind der Libanon, Jordanien, Irak und Ägypten, in der Reihenfolge der Anzahl der untergebrachten Syrer.

 

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