Meinung
Kommentar: Mit dem Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte begann der Holocaust

Björn Böcke und Kay Gottschalk von der National-demokratischen deutschen AfD-Partei lösen böse Erinnerungen an eine dunkle deutsche Zeit aus und schielen dabei in Richtung von Türkei und Türken.

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Die deutschen Dunkelmänner sind wieder da und schielen auf die Türkei

Von Thomas Bernhard

Björn Böcke und Kay Gottschalk von der National-demokratischen deutschen AfD-Partei lösen böse Erinnerungen an eine dunkle deutsche Zeit aus und schielen dabei in Richtung von Türkei und Türken.

Da hat nämlich der Björn Höcke, Vorsitzender der AfD im Landtag des deutschen Bundeslands Thüringen, doch deutlich gemacht: Sobald die AfD an der Macht sei, müssten ihn (Höcke) auch Muslime am Bosporus fürchten. Bei einer Rede im deutschen Eisleben (Sachsen-Anhalt) kündigte Höcke ein Verbot des Islam in der Türkei an. Wie gesagt, der eine mag jetzt zumindest lächeln oder den Kopf schütteln.

Doch der Typ meint das ernst. Höcke polterte vor dem Publikum einer „Bürgerversammlung“, dass seine Partei die Direktive ausgeben wolle, „dass am Bosporus mit den drei großen M – das heißt Mohammed, Muezzin und Minarett – Schluss ist.“

Man mag das jetzt als Größenwahn seines und Anderer Gehirne abtun, aber mit genau dieser Reaktion hat man sich in einer dunklen Zeit deutscher Geschichte schon einmal geirrt.

Und da ist ja auch noch Höckes Parteifreund Kay Gottschalk. Letzterer nämlich bleibt nicht so einfach in der Theorie, Gottschalk, immerhin Abgeordneter im deutschen Bundestag, hat in der deutschen Stadt Krefeld (NRW) ganz öffentlich zum Boykott türkischer Geschäfte aufgerufen. Wörtlich hatte Kay Gottschalk gesagt: „Ich rufe alle Bürger guten Willens auf: Boykottiert die Läden der Türken in Deutschland, denn die fahren zu 70 Prozent auf Erdoğan ab.“ Zuvor hatte er den „Angriff türkischer Truppen auf Kurden in Syrien“ kritisiert.

Ein solcher Boykott-Aufruf ist historisch belastet: Mit dem Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte begann in Nazi-Deutschland der Holocaust. Das ist nicht nur eine Aussage von mir, auch die eigentlich eher als konservativ anzusehende deutsche Zeitung „Rheinische Post“ machte diesen Vergleich.

Und, das alles soll jetzt bitte niemand als „rein deutsches Problem der Deutschen“ abtun. Auch diesen Fehler hat die Welt und ihre Menschen aller Nationalität schon einmal gemacht, bevor die Menschheit leidvoll und grausam eines Anderen belehrt wurde.

Und noch viel bedenklicher wird die ganze Sache, wenn man sieht und hört, wie sich der Vertreter der deutschen Nationalkonservativen auf die Seite der in Afrin ansässigen Terroristen schlägt, die erst die Tage wieder mit Raketen in der Türkei einen terroristischen Anschlag mit Toten und (Schwerst)Verletzten verübten.

Sicher, wenn einer wie ich (als Deutscher), immer deutlich macht, über türkische Politik entscheiden die Türken, muss man dies auch umgekehrt den Deutschen zubilligen. Doch jeder kann, unabhängig von seiner Nationalität, seine Meinung sagen und letztlich blieb das bereits mehrfach erwähnte dunkelste Kapitel deutscher Geschichte und dessen historische Vorgeschichte dann nicht auf Deutschland beschränkt.

Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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