Regionalwahl in Katalonien
Spanien: Mindestens 10 Jahre Verunsicherung wegen Wahlen

Der Vorsitzende des Kreises deutschsprachiger Führungskräfte in Spanien, Albert Peters, hat sich besorgt über das Ergebnis der Neuwahl in Katalonien geäußert.

Teilen

Berlin (ots) – Der Vorsitzende des Kreises deutschsprachiger Führungskräfte in Spanien, Albert Peters, hat sich besorgt über das Ergebnis der Neuwahl in Katalonien geäußert.

Im Inforadio vom rbb sagte Peters am Freitag: „Wir werden mindestens 10 bis 15 Jahre Verunsicherung haben in diesem Land. Man kann vielleicht versuchen, das langsam abzubauen, aber aufgrund dieses Ergebnisses wird jede aufgeschobene Investition in Katalonien zu einer Nicht-Investition werden.“

Peters forderte dringend einen Dialog aller Beteiligten. Die künftige Regionalregierung – egal wie sie aussehe – müsse auch mit der Wirtschaft und der Bevölkerung sprechen, damit die Spaltung in Katalonien nicht noch vertieft werde. „Man muss jetzt Brücken schlagen in jeder Beziehung, man muss versuchen, das Land wieder zu einigen, sonst gibt es ein weiteres Desaster“, so Peters im Inforadio-Interview.

Bei der Neuwahl in Katalonien errangen die Separatisten heute mit 70 von 135 Sitzen erneut eine absolute Mehrheit. Für eine absolute Mehrheit reichen bereits 68 Sitze.

„Der spanische Staat wurde bezwungen“, jubelte Ex-Präsident Puigdemont in Brüssel. Mit Spannung beobachtet man nun, wie der ehemalige Katalanen-Führer auf das Wahlergebnis reagieren wird. Puigdemont und seinen Mitstreitern drohen in Katalonien sofortige Festnahmen. Ihnen wird Rebellion, Aufruhr und Veruntreuung öffentlicher Gelder vorgeworfen.

Der Staatsgerichtshof in Madrid hatte Anfang November gegen ihn einen Europäischen Haftbefehl ausgestellt und bei den belgischen Behörden seine Festnahme beantragt. Puigdemont und vier katalonische Minister stellten sich daraufhin der belgischen Polizei.

Noch Anfang Oktober hatte die spanische Zentralregierung die Abhaltung von Wahlen in der nach Unabhängigkeit strebenden Region gefordert. Zur Beilegung der Krise zwischen der Regionalregierung und Madrid sollten Wahlen abgehalten werden, sagte Regierungssprecher Íñigo Méndez de Vigo. “Es wäre gut, damit zu beginnen, diese Wunde zu schließen.”

Die Neuwahl fand knapp zwei Monate nach der Absetzung der demokratisch gewählten Regierung Kataloniens durch die Zentralregierung in Madrid statt.

„Es stimmt schon: Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Und in Europa ist die Zeit gekommen, in der die Bürger es satt haben, von einer fernen Zentrale regiert zu werden, ohne gehört zu werden. Nach dem Wahlergebnis in Korsika oder dem trotz massiven Werbeeinsatzes aus Brüssel nur knapp verlorenen Referendums in Schottland ist das Wahlergebnis ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einem subsidiären Europa der Regionen. Einen besseren Ansporn für die Landtagswahl im Herbst 2018 könnte es für die Bayernpartei nicht geben. Denn Freiheit kann man wählen“, sagte der Vorsitzende der Bayernpartei, Florian Weber, in einer Stellungnahme.

Diese „demokratisch zustande gekommene Mehrheit für ein unabhängiges Katalonien“ sei  zu respektieren, betonte Weber und fügte hinzu:

„Die EU und ihre Mitgliedsstaaten, der Europarat und alle diese Institutionen können sich nun nicht mehr hinter formaljuristischen Argumenten verstecken. Sollte die spanische Zentralregierung weiterhin auf Polizeistaats-Methoden statt auf Dialog setzen, dann muss das entsprechende Konsequenzen – wie etwa Sanktionen – haben.“

In Europa sei nun die Zeit gekommen, in der die Bürger es satt haben, „von einer fernen Zentrale regiert zu werden, ohne gehört zu werden“, so Weber.

„Einen besseren Ansporn für die Landtagswahl im Herbst 2018 könnte es für die Bayernpartei nicht geben. Denn Freiheit kann man wählen“, sagte Weber.

Auch interessant

– Meinung –
Kommentar: Finanzindustrie größter Nutznießer der Katalonien-Krise

Da schon jetzt feststeht, dass keiner der Kontrahenten als Sieger aus diesem Konflikt hervorgehen wird, stellt sich die Frage: Wem nützt er? Die Antwort ist schwer zu glauben: Der größte Nutznießer der gegenwärtigen Entwicklung ist niemand anderes als der Schuldige an der Misere – die Finanzindustrie. Ein Kommentar.

Kommentar: Finanzindustrie größter Nutznießer der Katalonien-Krise

Auch interessant

Streit mit Merz: USA ziehen Truppen aus Deutschland ab

Berlin/Washington – Das US-Verteidigungsministerium hat den Abzug von rund 5.000 amerikanischen Soldaten aus Deutschland angeordnet. Der Befehl kam von Verteidigungsminister Pete Hegseth und soll innerhalb...

Ex-Mossad-Chef: „Ich schäme mich, Jude zu sein“

Jerusalem - Der ehemalige Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Tamir Pardo, hat die israelischen Aktionen im besetzten Westjordanland scharf kritisiert. Er verglich die jüngsten Übergriffe...

Europarat: Deutschland missbraucht Antisemitismus-Begriff

Brüssel - In einer ungewöhnlich deutlichen Rüge hat der Menschenrechtskommissar des Europarates, Michael O’Flaherty, die deutsche Bundesregierung vor einer Instrumentalisierung des Antisemitismus-Begriffs gewarnt. In einem...

DUH: Erneuerbare Energien trotz Netzausbau billiger als Gas

Berlin - Auch unter Einbeziehung der Kosten für Netzausbau und Batteriespeicher sind Erneuerbare Energien deutlich günstiger als der Neubau von Gaskraftwerken. Das ist das Ergebnis...

Gaza-Hilsflotte: Türkei fordert sofortige Freilassung der Aktivisten

Ankara - Nach dem gewaltsamen Stopp der „Global Sumud Flotilla“ in internationalen Gewässern nahe Kreta verschärft die Türkei ihren Ton gegenüber Tel Aviv massiv....

Headlines

Pedro Sánchez‘ Flugzeug: Notlandung in der Türkei

Ankara – Das Flugzeug des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez hat am Sonntagabend eine Notlandung in Ankara durchgeführt. Der offizielle Airbus...

Çelik: „Die Welt schaut nach Washington und Peking — und versteht beide nicht“

Ein Gastbeitrag von Özgür Çelik Drachen und Spiegel - Die Welt schaut nach Washington und Peking — und versteht beide...

Der Sieg des Turkismus gegen den “Staatsterror”: Der 3. Mai 1944

Ein Gastkommentar von Özgür Çelik Der 3. Mai 1944 ist ein Datum, das sich wie mit glühendem Eisen in das...

Drogen-Baron Hernández: Trump und Netanjahu sollen Deal gemacht haben

Washington – Neue Enthüllungen sollen den US-Präsidenten Donald Trump und den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu schwer belasten. Geleakte Audioaufnahmen aus...

Meinung

Flotilla-Aktivist Thiago Avila: Sie schlugen mich Ohnmächtig

Tel Aviv/Athen – Foltervorwürfe und der Verdacht der Hamas-Mitgliedschaft stehen im Mittelpunkt eines Verfahrens gegen zwei Flotilla-Aktivisten, die Israel nach der Beschlagnahme eines Hilfskonvois...

Über 300 Tote: UN bezeichnet Gaza als Todesfalle für Journalisten

Genf/New York – Zum Weltpressefreiheitstag am 3. Mai hat UN-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk eindringliche Worte gefunden. „Israels Krieg in Gaza ist zu einer Todesfalle...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...

Rapor: Afrika Gençliği Ruh Sağlığında Dünya Lideri

Londra - Maddi refah, ruh sağlığının garantisi değil. Şubat 2026 sonunda yayımlanan yeni bir küresel rapor, zihinsel esenlik haritasını temelden sarstı. İngiltere, Japonya ve Yeni...