„Bis das der Tod Euch scheidet“
Kommentar: „Beziehungen bedeuten Arbeit“

„Bis das der Tod Euch scheidet“ - dieser Satz gilt schon lange nicht mehr. War Scheidung lange Zeit undenkbar, endet heutzutage jede dritte Ehe* vor dem Richter. Oder anders gesagt: rund 165.000 Ehen wurden geschieden – übrigens nach einer durchschnittlichen Dauer von 14,7 Jahren.

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Von Veronika Zintl

„Bis das der Tod Euch scheidet“ – dieser Satz gilt schon lange nicht mehr. War Scheidung lange Zeit undenkbar, endet heutzutage jede dritte Ehe* vor dem Richter. Oder anders gesagt: rund 165.000 Ehen wurden geschieden – übrigens nach einer durchschnittlichen Dauer von 14,7 Jahren.

Im Vergleich zu den 1950er Jahren hat sich die Trennungsrate also stark erhöht – damals kam auf durchschnittlich 12 Eheschließungen gerade einmal eine einzige Scheidung. Ein deutlicher Unterschied also!

Trennungen gehören somit längst zum Alltag mit dazu. Dies liegt vor allem an den gesellschaftlichen Veränderungen – wie etwa im Hinblick auf Familiengründung und Existenzsicherung. Denn dies sollte eine Partnerschaft einst vornehmlich gewährleisten.

Dies ist nicht mehr so. Denn angesichts berufstätiger Frauen, Patchworkfamilien, usw. erwarten und erhoffen die meisten nun anderes von einer Beziehung: Diese soll ihr Leben schöner und aufregender gestalten. Auch die Einsamkeit (bzw. die Angst davor) soll nun endlich der Vergangenheit angehören.

Die Erwartungen an eine Partnerschaft sind somit gestiegen – oder deutlich romantischer geworden, wenn man es so ausdrücken möchte. Gleichzeitig sind viele nicht mehr dazu bereit, für die Beziehung zu kämpfen. Mit dem Partner auch harte Zeiten gemeinsam durch zu stehen, zusammen an der Partnerschaft zu arbeiten. Vielmehr neigen immer mehr Personen dazu, schnell(er) das Handtuch zu werfen. Und sich jemand Neuen zu suchen. Jemand, der die jeweiligen Erwartungen vielleicht besser erfüllen kann.

Eine weitere Rolle in diesem Zusammenhang spielt die Angst, etwas zu verpassen. Tindr, Online Dating und Co. Haben das Flirtverhalten deutlich verändert. Und angesichts der großen Auswahl will sich manch einer gar nicht mehr festlegen – es könnte ja sein, dass „da draußen“ jemand Besseres ist! Auch dies macht es so vertrackt, eine glückliche Beziehung zu führen, eine, die auch mal ihre Tiefen hat. Eine, bei der man sich wirklich auf den Partner einlässt, komme, was wolle.

Doch dazu sind wie gesagt nicht mehr viele bereit. Vielmehr lässt sich Folgendes konstatieren: Fühlt sich die Beziehung nicht mehr wirklich lebendig an, fehlt die Leidenschaft und stimmt die „Gesamtbilanz“ nicht mehr, dann trennt man sich eben – mehr oder weniger zivilisiert.

In dieser Hinsicht macht es übrigens keinen Unterschied, ob es sich um einen Mann oder um eine Frau handelt. Statistisch gesehen beenden ungefähr gleich viel Männer wie Frauen eine Beziehung.

Doch was sind eigentlich die „offiziellen“ Gründe für eine Trennung? Die häufigste Angabe in diesem Zusammenhang ist jene: „Wir haben uns auseinander gelebt“. Bei jeder dritten zerbrochenen Partnerschaft trennte man sich, weil die Unterschiede einfach zu groß waren. Und bei jeder fünften Trennung war eine dritte Person mit im Spiel – Stichwort Fremdgehen. Das hat zumindest eine große Umfrage der Online-Partnervermittlung ElitePartner ergeben.

Mangelnde Kommunikation ist auch ein sehr großes Problem in diesem Zusammenhang. Etwa ein Viertel aller Frauen gaben an, dass dies mit einer der Hauptgründe für die Trennung gewesen sei – bei Männern betrug dieser Wert knapp 20 Prozent. Auch der Sex (bzw. das Fehlen dessen) war und ist ein wichtiger Trennungsgrund: dies war bei 23 Prozent der Männer sowie bei 18 Prozent der Frauen der Fall.

Es ist also nicht gerade leicht, eine glückliche und erfüllte Beziehung zu führen. Eine, die wirklich über Jahre, vielleicht sogar bis ans Lebensende hält. Eine, die ihre Höhen und Tiefen hat – und die beide Partner im Laufe der Zeit noch näher zueinander bringt. Eine Beziehung, bei der beide aneinander wachsen. Neue Perspektiven entwickeln. Sich wirklich auf den Anderen einlassen.

Unmöglich ist dies jedoch nicht. Doch muss an dieser Stelle ganz klar gesagt werden: Beziehungen bedeuten Arbeit. Arbeit und Einsatz. Das ist etwas, das häufig verdrängt wird. Etwas, das viele nicht hören wollen. Und angesichts des immer stressigeren und hektischen Alltags ist es mitunter auch sehr verständlich, dass man nach dem Feierabend nicht noch endlos lange Beziehungsgespräche führen möchte…

Dennoch sollte man wirklich dazu bereit sein, sich für seine Beziehung einzusetzen. In diese zu investieren. Sich einzubringen. Und auch mal zurück zu stecken. Denn eine Partnerschaft bedeutet auch immer: Man sollte dazu bereit sein, Kompromisse zu finden. GEMEINSAM mit dem Anderen. Dies ist möglich – wenn beide an einem Strang ziehen. Und dran bleiben. Gelingt dies, ließen sich ca. 20 % dieser Trennungen vermeiden laut dem Ex zurück Team ex-ratgeber.info. Auch dies ist ein Grund, es zu versuchen…

Ja, das ist nicht leicht. Zumal es sehr empfehlenswert ist, sich die wahren Gründe für die Probleme in der Partnerschaft anzuschauen: Was steckt dahinter? Sind es Angst vor Bindung, klammern, gibt es finanzielle Probleme? All diesem sollte sich das Paar stellen – doch wenige bringen den Mut dafür nicht auf.

Und wenn dies doch klappt: Es braucht Disziplin und Durchhaltevermögen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Und um aus diesem Tief wieder heraus zu kommen. Daran scheitern die meisten – trotz bester Vorsätze.

Vielen erscheint es in diesem Zusammenhang einfacher, sich zu trennen, ein für allemal den Schlussstrich zu ziehen. Und dann, früher oder später eine neue Beziehung zu beginnen. Doch kann dies wirklich die Lösung sein?

*(Statistisches Bundesamt)

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