Bischof Paul von Arabien
Schweizer Bischof: Europa lieber islamisch als religionslos

Hat ein katholischer Bischof aus der Schweiz das Christentum verraten als er formulierte „Lieber ein islamisches als ein religionsloses Europa“? Die Reaktionen „besorgter Christen“ in der Schweiz sind jedenfalls eindeutig.

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Von Peter Z. Ziegler 

Basel (nex) – Hat ein katholischer Bischof aus der Schweiz das Christentum verraten, als er formulierte „Lieber ein islamisches als ein religionsloses Europa“? Die Reaktionen „besorgter Christen“ in der Schweiz sind jedenfalls eindeutig.

Die Interviews mit Bischof Paul Hinder im Deutschlandradio und im katholischen Schweizer Medienportal kath.ch wurden zuerst wenig beachtet, doch dann publizierte das missionierende Webportal livenet.ch einen „Zwischenruf“ mit dem provozierenden Titel. Livenet bekennt sich nach eigenen Angaben „zur Glaubensbasis der Europäischen Evangelischen Allianz einem Zusammenschluss verschiedener Landes- und Freikirchen“. Es handelt sich also nicht gerade um Freunde der katholischen Kirche.

Bischof Hinder ist ein Kenner der abrahamitischen Religionen und sein Wort hat Gewicht. Er amtet als „Bischof von Arabien“ direkt an deren Schnittstelle im Nahen Osten. Offiziell ist der 1942 im Thurgau geborene Kleriker „Apostolischer Vikar“ mit Sitz in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Dass dort überhaupt ein katholischer Bischof wohnen und amten darf, haben viele islamophobe Schweizer zunächst mit Kopfschütteln quittiert.

Es folgten zornige Antworten wie diese, im Stil eines polternden Martin Luther: „Es war kommen zu sehen, dieser Verrat. Haben die Kleriker je Werte gehabt oder leben die nur mit Sprüchen auf anderer Leute Kosten, weil sie in ihrer Lebensunfähigkeit selbst nichts auf die Füsse gestellt bekommen?“

Bischof Hinder beschrieb in seinem Interview ein lebendiges Christentum in Arabien, dass manchem Landsmann die Schamröte ins Gesicht treiben musste. Einem Deutschen übrigens ebenso. Das Christentum werde dort von den Europäern aktiver gelebt als zuhause. Er mache sich Sorgen, dass Europa seine christlichen Wurzeln allmählich preisgebe. Denn das Erbe seiner christlichen Geschichte sei «nicht in Granit gehauen, sondern es kann verdunsten». Und dann wäre es besser, eine authentisch gelebte Religion zu haben – ob Christen, Muslime, Juden oder Hindus – als gar keine.

Die folgenden Erläuterungen des Klerikers scheinen bereits im Proteststurm untergegangen zu sein. Wenn er davon spreche, dass ihm ein islamisches Land lieber wäre als ein religionsloses, habe er einen «positiven Islam» vor Augen. Hinder: «Der Islam hat einen ganzen Gürtel von Marokko bis China kulturell geprägt. Dadurch schuf er eine Grundsolidarität innerhalb des Islams. Ein Muslim war für den anderen primär ein Bruder oder eine Schwester.» Leider werde diese Grundsolidarität durch die Radikalismen jetzt aufgebrochen, stellt der Bischof fest. Der Islam müsse zudem sein Gewaltpotenzial noch aufarbeiten, wie es die Christen bereits getan hätten. So sensationell klang der Titel des „Zwischenrufs“ nun nicht mehr.

Dann verpasste der Bischof seinen Mitchristen freilich noch eine kleine Ohrfeige. Er sei im Übrigen überzeugt, dass die Verunsicherung gegenüber Muslimen bei jenen Menschen am grössten ist, die sich ihrer eigenen «religiösen Position» nicht sicher sind. Die Angst lasse sich am besten abbauen, indem man die Menschen kennen lerne. So etwas hatte bereits Angela Merkel beim Staatsbesuch in Bern den Schweizern gesagt.

Die belehrungsresistenten Schweizer Evangelikalen kontern freilich wie gewohnt mit missionarischen Parolen. Ihr Kommentar: „Nicht der Islam oder die Religionslosigkeit sondern lieber gleich das Richtige und den Chef: Jesus Christus, der Sohn Gottes und damit die Person, die sowieso der Herr über alles ist!“

 

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