Chameria-Massaker
Gedenkkundgebung zum Massaker an Chameria-Albanern

Bei einer Gedenkveranstaltung zum 78. Jahrestag des griechischen Massakers an den Chameria-Albanern (27. Juni 1944) während des Zweiten Weltkriegs erinnerten in Edirne Vertreter zivilgesellschaftlicher Institutionen.

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Edirne – Bei einer Gedenkveranstaltung zum 78. Jahrestag des griechischen Massakers an den Chameria-Albanern (27. Juni 1944) während des Zweiten Weltkriegs erinnerten in Edirne Vertreter zivilgesellschaftlicher Institutionen.

Die Föderation der Rumelien-Türken (Balkan Rumeli Türkleri Konfederasyonu) möchte mit der Gedenkveranstaltung an die Massaker und Vertreibungen der albanischen Zivilbevölkerung durch griechische Einheiten während des Zweiten Weltkriegs erinnern.

Albanische Besiedlung seit 13. Jahrhundert

Im Gebiet Chameria in den Küstenregionen des Epirus lebten bereits seit dem 13. Jahrhundert eine albanische Bevölkerung. Bei den Chameria-Albanern handelt es sich mehrheitlich um Muslime, aber es gibt auch eine kleine Minderheit christlich-orthodoxen Glaubens. Chameria ist eine Küstenregion im Epirus, die sich in unserer heutigen Zeit in Südalbanien und Nordwestgriechenland befindet.

1994 verabschiedete das albanische Parlament ein Gesetz, das die Ereignisse vom 27. Juni 1944 als „Völkermord“ einstuft. An dem Jahrestag des Massakers an den Chameria-Albanern finden in Albanien Märsche, Ausstellungen und Gedenkveranstaltungen statt. Die Organisatoren erhoffen sich mit der Abhaltung an die Leiden der Chameria-Albaner aufmerksam machen zu können.

„Chameria ist unsere blutende Wunde“

Nach dem Gedenken an die Opfer des Gewaltverbrechens liefen die Teilnehmer der Kundgebung zum griechischen Generalkonsulat in Edirne und legten aus Protest vor der diplomatischen Vertretung Athens einen schwarzen Kranz mit der Aufschrift „Chameria ist unsere blutende Wunde“ nieder.

Rıfat Sait: „Wir verurteilen diesen Völkermord“

Zum Abschluss der Versammlung verlas der Ex-Abgeordnete der AK Partei, Rıfat Sait, eine Presseerklärung und verurteilten die massenhaften Gewaltverbrechen an der albanischen Bevölkerung. Der Ex-Parlamentarier aus Izmir erklärte:

„Wir haben uns hier wegen der vom 27. Juni 1944 – März 1945 in der Region Chameria durch Griechenland begangenen großen Massaker zusammengefunden. Die Aktivitäten richteten sich gegen die dort lebenden Albaner. Bei den Massakern wurden 2.900 Männer, 214 Frauen und 96 Kinder massakriert, 745 Frauen vergewaltigt sowie in 68 Dörfern 5.800 Häuser in Brand gesteckt. Über 2.000 Menschen haben wegen der Unterdrückung und Erniedrigungen auf der Flucht ihr Leben verloren. So wie es nicht möglich ist, Navarino, Tripolitsa und Srebrenica zu vergessen, vergessen wir auch nicht den Chameria-Völkermord und werden ein Vergessen nicht zulassen. Das albanische Parlament hat 1994 den 27. Juni als gegen Albaner gerichteter Völkermord anerkannt.“

Zeitzeugenbefragung von Überlebenden der Chameria-Massaker

Dem Schriftsteller und Kulturforscher Enver Kushi, der ursprünglich aus der Region Chameria entstammt, gelang es durch Zeitzeugenbefragungen (Oral-History) neue Erkenntnisse von Überlebenden der Massaker während des Zweiten Weltkriegs zu gewinnen. Die Ergebnisse seiner Zeitzeugenbefragung hatte der Kulturforscher Kushi zum Jahrestag der Massaker am 27. Juni 2021 („Chameria-Woche“) in Tirana der Öffentlichkeit vorgestellt.

Mezalim ist der Fachterminus für massenhafte Gewaltverbrechen an Muslimen

In Bezug auf die an der türkisch-muslimischen Zivilbevölkerung in Anatolien begangenen massenhaften Gewaltverbrechen und Massakern an Muslimen insgesamt hat sich in der
türkischen und aserbaidschanischen Geschichtswissenschaft der Fachterminus Mezalim durchgesetzt. Zur Erläuterung: Der Begriff Mezalim ist aus dem Arabischen entlehnt und steht für Gräueltaten, Ungerechtigkeiten und Massaker.

Kemal Bölge/Edirne

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