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Istanbul: Hamam aus der Zeit Sultan Suleimans steht zum Verkauf

Der historische Horhor-Hamam, der 1562 während der Herrschaft von Suleiman I., genannt „der Prächtige“, erbaut wurde, wird jetzt für 29 Millionen Lira (etwa 2,85 Mio. Euro) zum Verkauf angeboten. Das rege genutzte historische Bad wartet derzeit auf einen neuen Käufer.

(Foto: pixa)
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Der historische Horhor-Hamam, der 1562 während der Herrschaft von Suleiman I., genannt „der Prächtige“, erbaut wurde, wird jetzt für 29 Millionen Lira (etwa 2,85 Mio. Euro) zum Verkauf angeboten. Das rege genutzte historische Bad wartet derzeit auf einen neuen Käufer.

Der derzeit im Familienbesitz befindliche historische Horhor-Hamam, der während der Herrschaftszeit von Suleiman dem Prächtigen im Jahre 1562 von dem persönlichen Kammerdiener des Sultans („Has Odabaşı“) Behruz Ağa im Viertel Horhor im Istanbuler Stadtteil Fatih erbaut wurde, ist vor wenigen Tagen von den Anteilseignern für 29 Millionen Lira, umgerechnet etwa 2,85 Millionen Euro, zum Verkauf angeboten worden.

Das denkmalgeschützte osmanische Dampfbad, das auch als „Aksaray Bad“ bzw. „Has Odabaşı Bad“ bekannt ist, befindet sich auf einem Areal, bestehend aus einem 638 Quadratmeter großem Grundstück. Eine etwa 80 Quadratmeter große Fläche auf dem gleichen Grundstück wird derzeit für ein Wohnhaus genutzt.
Es ist überliefert, dass das Bad nach dem großen Brand im Jahr 1756, der etwa ein Drittel von Istanbul zerstörte, seinen heutigen architektonischen Zustand erhielt.

Der türkische Hamam verfügt über 30 Zimmer. Das dreigeschossige historische Badehaus war im Osmanischen Reich allerdings nicht für die Öffentlichkeit, sondern nur für die Elite des Sultanspalasts bestimmt. Nun wartet das Gebäude, das auf eine jahrhundertealte Geschichte zurückblickt, auf seine neuen Käufer.

22 Anteilseigner aus vier Familien

Turgay Kurt, der seine Kindheit auf dem Areal verbracht hat und Teilhaber des Hamams in der vierten Generation ist, sagt: „Das Bad befindet sich seit 1917 in unserem Familienbesitz und wurde damals von der Mutter meines Großvaters erworben. Von meinem Opa wurde das Gebäude dann an seine vier Söhne vererbt. Der Hamam wurde von unseren Vorfahren betrieben und hat bis heute überlebt.

Im Moment befindet sich das Bad im Teilbesitzt von insgesamt vier Familien mit 22 Anteilseignern. Eine Generation später wird sich die Teilhaberzahl jedoch auf 69 erhöhen.“ Es werde immer schwieriger, alle Interessen der Anteilseigner unter einen Hut zu bringen, so Kurt. „Wir wollen das Bad deshalb verkaufen, weil wir nicht wollen, dass die nächsten Generationen diese schwierige Verantwortung übernehmen müssen“.

Kurt erinnerte daran, dass es im Bad über Jahrhunderte einen regen Besucherstrom gab, besonders in Zeiten, als es noch keine Heizkessel und Warmwasserbereiter gab und heißes Wasser Mangelware war:

„Interessenten, die das Bad erwerben möchten, werden ein seltenes, 459 Jahre altes historisches Prunkstück bekommen. Wenn die Person, die eine solche Investition tätigt, diesen Ort als eine Investition in die Zukunft begreift und das historische Bauwerk nicht unbedingt als kommerzielles Unternehmen nutzt, wird der Hamam und das Areal, denke ich, einen Nutzen bringen, der alle Erwartungen übertrifft.“

„Eine Wertsteigerung ist absehbar“

Kurt ergänzt zudem, dass das türkische Bad einer ordentlichen Grundsanierung bedarf: „Nach dem Kauf, einer ordnungsgemäßen Restaurierung und der Realisierung des kommunalen Infrastrukturprojekts „Aksaray Zentrum“ könnte der Hamam zu einem viel profitableren Unternehmen geformt werden, das die historischen Elemente viel mehr in den Blick rückt. Dadurch wird der Wert des gesamten Komplexes um ein Vielfaches zunehmen.“

Die Leiterin des Anadolu BİL Berufsfachkollegs für architektonische Restaurierung der Aydın Universität Istanbul, Dr. Fatma Sedes, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur DHA: „Dieser Hamam wurde in Anlehnung an die klassische Badarchitektur und in Form eines Doppelbades erbaut. Wir können konstatieren, dass das osmanische Dampfbad seinerzeit unter dem Namen einer Sanierung umgebaut, ja sogar falsch restauriert wurde.“

Den Bädern ihre historische Form und Funktion zurückgeben

Fatma Sedes mahnt, die Badekultur in ihrer historischen Form zu erhalten: „Wir verachten leider unser geschichtliches Erbe und gehen schlecht damit um. Wir verachten unsere historischen Bauwerke und unser kulturelles Erbe der Vergangenheit. Mein Vorschlag ist, dieses Bades nach Erhalt aller erforderlichen Genehmigungen in ihrer historischen Ursprungsform wiederherzustellen. Es gibt Bäder, die ursprünglich als Bad gebaut wurden, aber nun eine Funktionsänderung erfahren haben. Ich empfehle, den Bädern ihre ursprünglichen Eigenschaften und Formen zurückzugeben“, so Sedes.