Start Panorama Ausland #FreeIminjanSeydin Uigurin Samira Imin fordert Freilassung ihres Vaters Iminjan Seydin

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Uigurin Samira Imin fordert Freilassung ihres Vaters Iminjan Seydin

Ein weiterer Intellektueller ist Opfer der Verhaftungswelle in China geworden. Der renommierte uigurische Professor für Geschichte und Verleger, Iminjan Seydin, wurde wegen eines Buches zur Grammatik des modernen Hocharabisch zu einer 15-jährigen Haft verurteilt.

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Peking – Ein weiterer Intellektueller ist Opfer der Verhaftungswelle in China geworden. Der renommierte uigurische Professor für Geschichte und Verleger, Iminjan Seydin, wurde wegen eines Buches zur Grammatik des modernen Hocharabisch zu einer 15-jährigen Haft verurteilt.

Die in den USA lebende Tochter des Verlegers, Samira Imin, fordert in Interviews mit diversen Medien die sofortige Freilassung ihres „zu Unrecht verhafteten Vaters“. Er habe viele Jahre für die Regierung gearbeitet und sie patriotisch erzogen.

„Mein Vater hat sich immer an die Gesetze und Vorschriften gehalten und sein ganzes Leben dem Dienst für das Land und die Menschen gewidmet“, so Imin in einem Gespräch mit Voice of America (VOA), dem offiziellen staatlichen Auslandssender der USA mit Sitz in Washington, D.C. Er habe dafür gesorgt, dass sie schon im Kindergarten in der chinesischen Sprache unterrichtet wurde. Sie spreche besser Chinesisch als Uigurisch und ihre Freunde und Klassenkameraden seien hauptsächlich Han-Chinesen, so die 27-Jährige gegenüber VOA.

Sie sei schockiert gewesen, als sie erfuhr, dass ihr Vater verurteilt worden sei. Der Vater, an den sie sich erinnert, habe nichts mit Terrorismus und Extremismus zu tun: „Mein Vater ist ein sehr aufgeklärter Mensch. Er weiß genau, wo die rote Linie der Regierung ist und spricht zu Hause nie über Politik. Er sagt uns immer:“ Kinder, ihr müsst euer Land lieben“, so Imin. Er habe sich stets gegen Extremismus, Terrorismus und Separatismus ausgesprochen und Uiguren vor diesen „drei Kräften“ gewarnt.

Ihr Vater sei verhaftet worden, weil er ein arabisches Grammatikbuch veröffentlicht hatte. Er habe für dieses Buch jedoch eine Genehmigung zur Veröffentlichung erhalten. Das Buch sollte den „kulturellen Austausch fördern“.  Das Bezirksgericht verurteilte ihn wegen „Anstiftung zu extremen Ideen“ zu 15 Jahren Haft. Außerdem habe Seydins Familie eine Geldstrafe in Höhe von 500 tausend Yuan zahlen müssen.

Der 54-jährige Wissenschaftler schloss im Jahre 1988 sein Studium im Fachbereich der Geschichte an der Universität Xinjiang in Ürümtschi mit einem Bachelor ab. Dann arbeitete er bis zu seiner Verhaftung im Mai 2017 am Islamischen Institut von Xinjiang in Ürümtschi als Professor für chinesische Geschichte. Dort unterrichtete Seydin die Fächer „Geschichte Chinas“ und „Geschichte der chinesischen Revolution“.

Im Jahre 2012 gründete der Wissenschaftler „Ämin kitabchiliqi“ [das Verlagshaus Ämin]. In seinem Verlagshaus brachte er bis zu seiner Verhaftung mehr als 350 Bücher in uigurischer Sprache heraus. Zu den Themenbereichen gehörten Kultur, Sprache der Uiguren und andere wissenschaftliche Gebiete.

Laut dem US-Radiosender Radio Free Asia (RFA) ist nicht bekannt in welchem Inhaftierungslager der Wissenschaftler sich momentan befindet. Laut RFA sei er noch Anfang 2017 durch das Ministerium für religiöse Angelegenheit der uigurischen Autonomieregion Xinjiang, das in der Provinzhauptstadt Ürümtschi ansässig ist, in den uigurischen Bezirk Hotan geschickt worden, um dort gegen den „Extremismus“ unter den uigurischen Bauern vorzugehen.

Über eine Million Gefangene

Laut Menschenrechtsorganisationen halte China eine unglaublich große Zahl von Personen der weitgehend muslimischen Minderheit in über den ganzen Nordosten verstreuten sogenannten Umerziehungslagern gefangen.

Über eine Million, mehr als sieben Prozent der muslimischen Bevölkerung in der chinesischen Region Xinjiang, sind nach Experten der Vereinten Nationen jetzt in einem sich erweiternden Netzwerk von „politischen Umerziehungslagern“ eingesperrt.

Der volle Umfang des Internierungssystems war lange Zeit deswegen im Dunkel, weil viele Uiguren sich fürchteten auszusagen, so die Tageszeitung Wallstreet Journal. Jetzt erzählen mehr von ihren Erfahrungen, einschließlich von sechs früheren Häftlingen, die das Journal interviewt hat; sie beschrieben, wie sie oder andere Gefangene an Stühle gebunden wurden oder kein adäquates Essen erhielten.

„China Cables“

In im November von der US-Tageszeitung New York Times veröffentlichten Regierungspapieren befiehlt Chinas Staatspräsident Xi Jinping dem Parteiapparat, „ohne Gnade“ in Xinjiang vorzugehen.

Wie Handelsblatt berichtet, hatte ein anonymes Mitglied der chinesischen politischen Elite die Dokumente an die amerikanische Zeitung weitergereicht. Es handele sich nach Einschätzung der New York Times um eines der „bedeutendsten Leaks von Regierungspapieren aus der Kommunistischen Partei Chinas seit Jahrzehnten“, berichtet Handelsblatt weiter.

Der Leak impliziere über Pekings Maßnahmen gegen die Uiguren eine „größere Unzufriedenheit im Parteiapparat als bisher bekannt war“. Die 24 Dokumente auf insgesamt 403 Seiten enthalten Anleitungen zur Überwachung der uigurischen Bevölkerung in Xinjiang, sowie Ansprachen des chinesischen Staats- und Parteichefs.

Viele Beamte sähen die derzeitige Vorgehensweise in Xinjiang kritisch, so das Handelsblatt. Im Jahr 2017 sei gegen mehr als 12.000 Parteimitglieder intern ermittelt worden, weil sie im „Kampf gegen den Separatismus“ Fehler begangen hätten. Das war 20-mal häufiger als in den Jahren zuvor.

Für die Inhaftierung von Berichten zufolge mehreren Millionen Uiguren in Internierungslagern wird Peking international scharf verurteilt. Das kommunistische Regime weist alle Vorwürfe zurück und bezeichnet die Lager als „Berufsbildungszentren“ zur Bekämpfung von Extremismus.

Muslimische Staaten ungewohnt ruhig

In einem Interview mit Bloomberg Television, sagte der ehemalige und wohl auch zukünftige Premierminister Malaysias Anwar Ibrahim, dass sich muslimische Regierungen „vor China fürchten“ und aus diesem Grund zu den Repressalien Pekings gegen muslimische Chinesen und den sogenannten Umerziehungslagern schwiegen.

„Sie haben Angst. Niemand will etwas sagen“, so Anwar in dem  Gespräch mit Bloombergs  Sophie Kamaruddin.

Anwars Äußerungen gehören zu den bisher schärfsten eines führenden Politikers in der islamischen Welt, der die Misshandlungen der muslimischen Minderheiten in China verurteilt.

Tatsächlich halten sich die Regierungen muslimischer Länder zu der Situation der Muslime in China mit Kritik zurück, obwohl in den USA und Europa immer mehr Forderungen an China gerichtet werden, die Menschenrechtsverletzungen zu stoppen. Selbst die Türkei, die sich in der Vergangenheit für die turksprachige Minderheit der Uiguren laut machte, bleibt ungewohnt ruhig.

Wirtschaftliche Gründe

Das zweisprachige malaysische Nachrichtenportal „Free Malaysia Today sieht dafür wirtschaftliche Gründe. China sei eines der größten Wirtschaftspartner vieler muslimischer Länder. Kuala Lumpur habe eine starke Haltung gegenüber Peking eingenommen und vor einer „neuen Version des Kolonialismus“ gewarnt, während Malaysia zudem „Milliardenprojekte annulliert“ habe, die von chinesischen Staatsbetrieben unterstützt würden.

Mesut Özil verurteilt muslimische Medien und Staaten für ihr Schweigen

Der ehemalige deutsche Nationalspieler Mesut Özil hatte im vergangenen Dezember in einem Tweet muslimische Medien und Staaten für ihr Schweigen zur Unterdrückung und Verfolgung der muslimischen Minderheit der Uiguren in China scharf verurteilt.

“Während in westlichen Medien und sogar Staaten diese Ereignisse seit Wochen und Monaten die Schlagzeilen bestimmen, wo bleiben die muslimischen Medien und Länder? Woran man sich Jahre später erinnern wird, ist nicht die Gewalt der Tyrannen, sondern das Schweigen der muslimischen Brüder. Oh Allah, schütze unsere Geschwister in Ost-Turkestan“, so Özil in dem auf türkisch verfassten Tweet.

In einem weiteren Tweet schreibt der Arsenal-Star: „Korane werden verbrannt, Moscheen werden geschlossen, muslimische Schulen werden verboten, religiöse Gelehrte werden einer nach dem anderen umgebracht, Brüder werden gewaltsam in Lager gesperrt. Unsere Geschwister werden gezwungen Chinesen zu heiraten“. Trotz allem schwiegen die Muslime und setzten sich nicht dagegen ein. „Wissen sie denn nicht, dass die Billigung der Tyrannei selbst eine Grausamkeit darstellt“, so Özil weiter.

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