Kommentar
St. Pauli: Freie Meinungsäußerung sollte auch für Cenk Sahin gelten

Das Sportgericht des DFB hat vor wenigen Tagen das Ermittlungsverfahren gegen den  FC St. Pauli wegen der Vorkommnisse während des Zweitliga-Spiels gegen den SV Darmstadt 98 eingestellt.

Teilen

Ein Gastkommentar von Kemal Bölge – kboelge@web.de

Das Sportgericht des DFB hat vor wenigen Tagen das Ermittlungsverfahren gegen den  FC St. Pauli wegen der Vorkommnisse während des Zweitliga-Spiels gegen den SV Darmstadt 98 eingestellt.

Ein Teil der Fans des Hamburger Kiezklubs hatte während des Spiels am 19. Oktober vergangenen Jahres ein Spruchband mit der Aufschrift „Biji Rovaja“ („Es lebe Rojava“) gezeigt sowie Symbole des syrischen Ablegers der Terrororganisation PKK geschwenkt.

Bei dieser Aufschrift und den Symbolen handelt sich um Propaganda der PKK, auch wenn dies von diesen „Fans“ anders gesehen wird. Die Entscheidung des Sportgerichts zeugt von einer beispiellosen Doppelmoral. Ein Spieler des gleichen Fußballklubs wurde vor die Tür gesetzt, weil er auf Instagram Sympathien für die türkische Militärintervention in Syrien bekundet hatte.

Es wird dadurch auch nicht besser, wenn St. Pauli statt der Strafe den bereitgestellten Betrag für einen sozialen Zweck spendet, wenn keine Einsicht des Fehlverhaltens gezeigt wird. St. Paulis Präsident hatte im Falle einer Verurteilung sogar angekündigt die Entscheidung von einem höheren Gericht überprüfen lassen zu wollen.

Wenn Herr Göttlich in diesem Zusammenhang auf das Recht für freie Meinungsäußerung für St. Pauli „Fans“ pocht, darf er seinem ehemaligen Fußballprofi Cenk Şahin dies nicht verwehren, wenn dieser Sympathien für die türkische Militärintervention bekundet.

Beide Sachverhalte sind politischer Natur und das DFB-Sportgericht hatte die Terrorpropaganda einiger St. Pauli „Fans“ richtigerweise als politische Aktion bewertet. Was ist das für ein Selbstverständnis, wenn Terroristen, die Tausende von Menschenleben auf dem Gewissen haben und in Syrien gewaltsame ethnische Vertreibungen durchgeführt haben, in einem Hamburger Fußballstadion von einigen „Fans“ Zuspruch erhalten? Die Entscheidung des DFB-Sportgerichts ist ein fatales Signal an gewaltbereite völkisch-nationalistische PKK-Anhänger und ihre politischen Unterstützer.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


 

Auch interessant

US-Kirche wirft Israel Völkermord in Gaza vor

Milwaukee - In der US-amerikanischen Kirchenlandschaft zeichnet sich eine dramatische Verschiebung der öffentlichen Meinung ab. Die Generalversammlung der Presbyterian Church (U.S.A.) – der größten...

Medizinrecht: Ein Wandel im Gesundheitswesen

Das Verhältnis zwischen Patientinnen, Ärzten und dem Gesundheitssystem befindet sich im Umbruch. Neue Gesetze, digitale Behandlungsmethoden und veränderte Erwartungen an die medizinische Versorgung stellen...

Digitale Sicherheit: So schützen Sie Ihre Vermögenswerte vor Fernbetrug

Die meisten Menschen beginnen erst dann über digitale Sicherheit nachzudenken, wenn bereits etwas passiert ist – eine Login‑Benachrichtigung, die nicht von ihnen stammt, eine...

Susanne Mattner fordert Parteiverbot für AfD

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner An diesem Wochenende stellt die AfD ihre Führung neu auf. Unter den Kandidaten für den Bundesvorstand finden sich erneut Politiker,...

Idriz: Millionen friedliche Muslime bleiben unsichtbar

Ein Gastkommentar Von Benjamin Idriz Heute ist der Tag gegen antimuslimischen Rassismus. Ich bin gespannt, ob heute ein hochrangiger Politiker öffentlich den antimuslimischen Rassismus thematisiert. Aus...

Headlines

US-Kirche wirft Israel Völkermord in Gaza vor

Milwaukee - In der US-amerikanischen Kirchenlandschaft zeichnet sich eine dramatische Verschiebung der öffentlichen Meinung ab. Die Generalversammlung der Presbyterian...

Rekordaustritte aus Oppositionspartei CHP

Ankara - Die neuesten offiziellen Mitgliederstatistiken des türkischen Kassationsgerichts (Yargıtay Cumhuriyet Başsavcılığı) für den Juli 2026 sorgen in der...

Susanne Mattner fordert Parteiverbot für AfD

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner An diesem Wochenende stellt die AfD ihre Führung neu auf. Unter den Kandidaten für den...

Krah: Türkei ist strategischer Gamechanger jeder Europapolitik

Brüssel - Die innenpolitischen Nachwehen des hochrangigen EU-Staatsbesuchs in Ankara erreichen die deutsche Bundespolitik. Nachdem die neue Hohe Vertreterin der...

Meinung

Gaza: Neues Portal archiviert Horroraufnahmen des Krieges

Gaza - Es ist ein Projekt von beispiellosem und zutiefst verstörendem Ausmaß: Unter dem Namen ArchiveGenocide.com haben Aktivisten eine gigantische, frei zugängliche Online-Datenbank gestartet,...

Skandal in München: Warum Täter die Lücken kennen

Ein Gastkommentar von Aras Karasun Es geht leider um dieselbe bekannte Sicherheitslücke. Ein Sexualstraftäter fällt irgendwo in der Jugendarbeit auf oder wird sogar wegen solcher...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...