Kommentar
Anschläge auf Moscheen bedrohen Frieden in Deutschland

Nachdem in der Nacht zu Samstag und Sonntag türkische Einrichtungen und Geschäfte wieder Ziel von Anschlägen wurden, steigt die Besorgnis und Unsicherheit innerhalb der türkischstämmigen Menschen in Deutschland.

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Von Yasin Baş

Nachdem in der Nacht zu Samstag und Sonntag türkische Einrichtungen und Geschäfte wieder Ziel von Anschlägen wurden, steigt die Besorgnis und Unsicherheit innerhalb der türkischstämmigen Menschen in Deutschland.

Sorge und Unsicherheit bei Deutschtürken

In der Nacht zum Sonntag haben mutmaßliche PKK-Anhänger die Scheiben der Eingangstür der Emir-Sultan-Moschee in Darmstadt mit Steinen beworfen und zerstört. Zudem beschmierten die Täter die Fassaden des Gotteshauses mit terroristischen Parolen. Die Polizei geht von einem politisch motivierten Hintergrund aus. Die Moschee gehört dem deutsch-türkischen Moscheeverband Union der „Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa“ (ATIB) an. ATIB betreibt seit 1987 Moscheen in Deutschland.

Hilferuf von Öner: „Auch das Recht der Türken und Deutschtürken verteidigen“

Deren Vorsitzender Ihsan Öner wandte sich mit einer Pressemeldung an die Öffentlichkeit. Öner ruft in dem Schreiben die Sicherheitsbehörden zum Handeln auf und spricht von täglichen Angriffen auf Gotteshäuser in Deutschland sowie der wachsenden Sorge und einem allgemeinen Gefühl der Unsicherheit unter der türkischstämmigen Community. Er beklagt in seinem Hilferuf, dass bis jetzt kaum ein Täter ermittelt oder verurteilt wurde.

Mindestens 40 Anschläge seit Jahresbeginn allein auf Moscheen

Tatsächlich gab es seit Anfang des Jahres bereits 40 Anschläge auf Moscheen in Deutschland. 25 dieser Übergriffe richteten sich gegen die „Türkisch-Islamische Union“ (DITIB). Die Gebetshäuser der „Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş” (IGMG) wurden seit Beginn des Jahres bereits sechsmal angegriffen. Obwohl in einschlägigen Internetseiten, die der Terrororganisation PKK nahestehen, Bekennerschreiben auftauchen, beklagen Mitglieder und Vorstände islamischer Organisationen in Deutschland, dass es kaum zu nennenswerten Verhaftungen und Verurteilungen komme. Auch ATIB-Vorsitzender Ihsan Öner wendet sich an die Ermittlungsbehörden:

„Worauf warten Sie, um aktiv zu werden und die Täter zu ermitteln und zu fangen? Wenn diese Untätigkeit nicht vorsätzlich ist (wir gehen davon aus, dass es keinen Vorsatz gibt), wieso werden die Täter dann nicht verhaftet? Wem sollen wir vertrauen, wenn solche Taten und Angriffe in einem Land, das bekannt ist für seine Nachrichtendienste, ungestraft und unbeantwortet bleiben? Oder möchten einige Kreise bewusst, dass wir in Unsicherheit und Sorge leben? Das sind die Fragen, die sich heutzutage die türkische Gesellschaft in Deutschland stellt. Niemand besitzt in einem Verfassungsstaat das Recht, Menschen auf sich alleine zu stellen und sie in Sorge und Unsicherheit leben zu lassen.“

Solidaritätsaufruf an Deutsche: Auch das Recht von Türken und Deutschtürken verteidigen

Öner bittet die Verantwortlichen, nicht zuzulassen, dass „die Ruhe unter den friedlich miteinander lebenden Menschen gestört wird.“ Der Vorsitzende spricht auch von der ausgereizten Geduld der „türkischen Gesellschaft in Deutschland, die Ziel solcher Angriffen und Anschlägen ist“. Am Ende fordert er eine breite Solidarität von der deutschen Mehrheitsbevölkerung. Die „besonnenen Menschen“ sollten „auch das Recht der Türken und Deutschtürken“ verteidigen.

Verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen

Deutschland ist Heimat geworden für die muslimisch-deutsch-türkische Gesellschaft. Auch wenn in regelmäßigen Abständen immer wieder hochrangige Politiker das Gegenteil behaupten. Die türkischstämmigen Menschen fühlen sich in Deutschland zu Hause. Ihre Kinder, Enkel und mittlerweile Urenkel sind hier geboren, aufgewachsen und werden auch hier ihre letzte Ruhe finden. Diese Menschen gehören genauso zu Deutschland wie ihre Religion und Kultur.

Sie fühlen sich den bundesdeutschen Gesetzen verpflichtet und sind gegenüber unserem Land loyal. Die in großen Teilen der türkischstämmigen Bevölkerung herrschende Unsicherheit muss so schnell wie möglich beendet werden. Verloren gegangenes Vertrauen in die Medien, Politik und Sicherheitsorgane sollten zurückgewonnen werden, damit ein Gefühl der Entfremdung und Resignation erst gar nicht ensteht.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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Yasin Baş

Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.

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