Berlin – Die Deutschen sehen der Zukunft einer aktuellen Umfrage zufolge mit großer Skepsis entgegen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) berichtet, hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Zeitung eine repräsentative Bevölkerungsumfrage durchgeführt. Demnach blicken nur 29 Prozent der Befragten den kommenden zehn Jahren mit Hoffnungen entgegen. 36 Prozent geben an, dass die Befürchtungen überwiegen.
Die Ergebnisse markieren einen deutlichen Wandel im Stimmungsbild. Im Jahr 1990 sahen noch 60 Prozent der Bevölkerung der Zukunft hoffnungsvoll entgegen, 2011 waren es 46 Prozent. Der Anteil derer, die mit Befürchtungen in die kommenden Jahre schauen, ist im gleichen Zeitraum von 16 auf 36 Prozent gestiegen.
Studie: Deutsche blicken pessimistisch in die Zukunft
Die Studie zeigt ein tiefes Unbehagen gegenüber der gesellschaftlichen Entwicklung. 74 Prozent der Befragten erwarten, dass die Gesellschaft in zehn Jahren politisch deutlich gespaltener sein wird als heute. Fast ebenso viele, 73 Prozent, gehen davon aus, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. 70 Prozent befürchten, dass die Zukunft unsicherer und weniger berechenbar wird. 62 Prozent erwarten zunehmende Spannungen zwischen Deutschen und Zuwanderern.
Auch die Folgen der Alterung der Gesellschaft bereiten der Bevölkerung Sorgen. 64 Prozent der Befragten gaben an, dass immer mehr Ältere Mühe haben werden, die Gesellschaft zu verstehen, und dass die wachsende Zahl älterer Menschen große Probleme mit sich bringen werde.
Nur wenige positive Erwartungen
Die Umfrage zeigt, dass die Bevölkerung bei den meisten Themen mit einer Verschlechterung rechnet. 65 Prozent erwarten, dass die soziale Absicherung in zehn Jahren schlechter sein wird als heute, 62 Prozent befürchten eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung, 59 Prozent rechnen mit sinkendem Wohlstand und Lebensstandard. Nur bei drei Themen überwiegen positive Erwartungen: Bei der Ausstattung der Bundeswehr (69 Prozent erwarten eine Verbesserung), der Verkehrsinfrastruktur (41 Prozent) und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (30 Prozent).
Corona und Ukraine-Krieg als Verstärker der Unsicherheit
Als ein Grund für die pessimistische Stimmung gilt die Verunsicherung infolge der Corona-Krise und des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Auf die Frage, ob man heute in einer besonders unsicheren Zeit lebe, antworteten 72 Prozent der Befragten mit Ja. Im Jahr 2019 lag dieser Wert bei 45 Prozent.
Alterung der Gesellschaft verstärkt den Pessimismus
Ein weiterer Faktor ist laut der Analyse die Alterung der Gesellschaft. Während 49 Prozent der unter Dreißigjährigen den kommenden zehn Jahren mit Hoffnungen entgegensehen, sind es bei den Sechzigjährigen und Älteren nur 19 Prozent. Diese Unterschiede zwischen den Altersgruppen seien bis zu einem gewissen Grad naturgegeben, schreibt die F.A.Z. Eine alternde Gesellschaft sei auch eine Gesellschaft, die zunehmend zum Pessimismus neige.
Technologie bleibt ein Hoffnungsträger
Trotz der düsteren Stimmung zeigt die Umfrage auch Lichtblicke. Die Zustimmung zu der Aussage, dass technologische Neuerungen unheimlich seien, ist von 51 Prozent im Jahr 2019 auf 43 Prozent im September 2026 gesunken. Die Vorstellung, dass künstliche Intelligenz die Menschheit auslöschen könnte, halten nur 28 Prozent der Befragten für realistisch, 53 Prozent für unrealistisch.
Bemerkenswert ist auch, dass die Bürger ihren eigenen Vorhersagen wenig zutrauen. Auf die Frage, ob es möglich sei, die Zukunft vorauszusagen, antworteten nur zehn Prozent mit Ja, 81 Prozent verneinten dies.
Yasin Bas

