Berlin – An deutschen Schulen verschiebt sich die Nachfrage nach Fremdsprachen spürbar. Wie Deutschlandfunk unter Berufung auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden berichtet, gewinnen Türkisch und Spanisch deutlich an Zulauf, während Französisch, Latein und Russisch weiter an Bedeutung verlieren. Englisch bleibt mit großem Abstand die Nummer eins in Deutschland.
Zahl der Türkischlernenden Schüler hat sich fast verdreifacht
Besonders auffällig ist die Entwicklung des Türkischen. Im Schuljahr 2005/06 lernten bundesweit noch rund 13.000 Schülerinnen und Schüler Türkisch, das entsprach 0,13 Prozent der damals rund 9,5 Millionen Schülerinnen und Schüler. Im vergangenen Schuljahr 2025/26 waren es bereits etwa 29.230 von rund 8,9 Millionen, ein Anteil von 0,31 Prozent. Damit hat sich die Zahl der Türkischlernenden in zwanzig Jahren mehr als verdoppelt, genau genommen fast verdreifacht.
Noch deutlicher fällt der Zuwachs beim Spanischen aus: Rund 549.000 Kinder und Jugendliche lernen die Sprache inzwischen, mehr als doppelt so viele wie vor zwanzig Jahren. Damals waren es etwa 243.400 gewesen, ein Anteil von 2,56 Prozent, heute sind es 6,1 Prozent.
Französisch behauptet zwar weiterhin seinen zweiten Platz hinter Englisch, verliert aber deutlich. Die Zahl der Lernenden sank von 1,7 Millionen im Schuljahr 2005/06 auf rund 1,2 Millionen im vergangenen Schuljahr. Auch Latein und Russisch werden seltener gewählt. Englisch bleibt mit rund sieben Millionen Lernenden unangefochten an der Spitze, auch wenn die Zahlen im Vergleich zu vor zwanzig Jahren leicht zurückgegangen sind.
Herkunftssprachlicher Türkischunterricht in NRW
Neben dem regulären Fremdsprachenunterricht gibt es in mehreren Bundesländern ein separates Angebot: den herkunftssprachlichen Unterricht (HSU). In Nordrhein-Westfalen (NRW) lernen nach Angaben der Bezirksregierung Münster etwa 39.000 Kinder und Jugendliche Türkisch im herkunftssprachlichen Unterricht, weitere rund 8.500 als moderne Fremdsprache.
Der Unterricht findet in der Regel am Nachmittag statt und umfasst bis zu fünf Wochenstunden. In dem Bundesland mit der größten türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland wird der herkunftssprachliche Unterricht derzeit in 30 Sprachen angeboten, darunter Türkisch, Arabisch, Kurdisch und Polnisch.
Yasin Bas

