Strandbad in Halle
Sprachtest fürs Strandbad: Wenn Bürokratie und Ausgrenzung die Sicherheit ersetzen

Gastkommentar von Susanne Mattner: Warum das Einlassverbot für Menschen ohne Deutschkenntnisse in einem Strandbad in Halle ein diskriminierendes Armutszeugnis ist.

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Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

In einem Strandbad in Halle (Sachsen-Anhalt) werden Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse künftig nicht mehr eingelassen. Die Begründung: Sicherheit. Badegäste müssten die Regeln verstehen und Anweisungen von Rettungsschwimmern befolgen können. Auslöser war offenbar ein Vorfall, bei dem ein Kleinkind aus tiefem Wasser gerettet werden musste.

Und genau hier fangen bei mir die Fragen an.

Sind wir in Deutschland wirklich so unflexibel geworden, dass wir Warnhinweise, Badeordnungen und Sicherheitsregeln nicht in mehreren Sprachen bereitstellen können? Wirklich? Das soll in einem der wirtschaftsstärksten Länder der Welt nicht möglich sein?

In praktisch jedem Urlaubsland, in das Deutsche reisen, findet man Hinweisschilder in mehreren Sprachen. Ob Spanien, Griechenland, Italien, Kroatien oder die Türkei – dort erwartet niemand von deutschen Touristen, erst einmal einen Sprachtest abzulegen, bevor sie an den Strand dürfen. Dort übersetzt man wichtige Informationen. Ganz selbstverständlich. Weil man verstanden hat, dass Sicherheit durch Verständlichkeit entsteht und nicht durch Ausgrenzung.

Aber in Deutschland lautet die Lösung offenbar: „Wer nicht genug Deutsch spricht, bleibt draußen.“

Und nein, bevor jetzt wieder die üblichen Kommentare kommen: Mir ist völlig klar, dass Sicherheit wichtig ist. Natürlich müssen Menschen Gefahrenhinweise verstehen. Natürlich müssen Rettungsschwimmer sich verständigen können. Das bestreitet doch niemand. Aber die Frage ist doch: Warum wird die Verantwortung ausschließlich auf die Besucher abgewälzt?

Warum werden nicht mehrsprachige Schilder aufgestellt? Warum gibt es keine Sicherheitsinformationen auf Englisch? Warum keine Piktogramme? Warum keine QR-Codes mit Übersetzungen? Warum nicht die einfachsten Lösungen, die überall auf der Welt längst Standard sind?

Stattdessen wird eine ganze Gruppe von Menschen unter Generalverdacht gestellt. Und dann kommt noch etwas hinzu, das man zumindest ansprechen muss:

Ausgerechnet Sachsen-Anhalt. Ausgerechnet ein Bundesland, in dem die AfD besonders stark ist.

Natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass jeder Verantwortliche dort aus politischen Motiven handelt. Das behaupte ich gar nicht. Aber wer glaubt, dass gesellschaftliche Stimmungen und politische Debatten keinerlei Einfluss auf solche Entscheidungen haben, macht es sich aus meiner Sicht zu einfach.

Mich würde wirklich interessieren, in welchem anderen Land Menschen wegen fehlender Kenntnisse der Landessprache pauschal von einem Strandbad ausgeschlossen werden. Ich habe davon bisher noch nie gehört.

Für mich hat das einen diskriminierenden Beigeschmack. Einen sehr starken sogar.

Und bevor jetzt jemand sagt, das habe doch nichts mit Diskriminierung zu tun: Wenn Menschen nicht aufgrund ihres Verhaltens ausgeschlossen werden, sondern aufgrund einer Eigenschaft, die häufig mit Herkunft oder Migration zusammenhängt, dann darf man zumindest die Frage stellen, ob hier nicht eine Grenze überschritten wird.

Besonders absurd finde ich übrigens die Kommentare mancher selbsternannter Patrioten. Die erzählen etwas von Integration und Anpassung, schaffen es aber oft selbst kaum, zwei Sätze Englisch zu sprechen. Ausgerechnet diejenigen, die ständig von deutscher Leitkultur reden, scheitern häufig an einer Sprache, die heute weltweit als Standard gilt. Dabei würde wahrscheinlich schon Englisch für einen Großteil der Fälle ausreichen.

Sicherheit erreicht man durch Kommunikation. Nicht durch Ausschluss. Und wenn die Lösung eines Problems darin besteht, Menschen auszusperren, statt Informationen zugänglich zu machen, dann ist das für mich keine Sicherheitsmaßnahme, sondern ein Armutszeugnis.

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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