Tel Aviv – Die israelische Polizei steht nach dem harten Vorgehen gegen einen hochrangigen christlichen Geistlichen unter erheblichem Druck. Nach der Festnahme von Vater Constantine, dem Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Gemeinde in Jaffa, am 29. September sorgt der Fall nun für internationale Bestürzung.
Nach seiner Freilassung erhob der Geistliche schwere Vorwürfe wegen Amtsmissbrauchs, Polizeigewalt und gezielter Erniedrigung durch die Sicherheitskräfte.
Der Vorfall in Jaffa: „Ich stehe unter Schock“
Der Vorfall ereignete sich während eines Polizeieinsatzes auf offener Straße. Laut Berichten der israelischen Zeitung Haaretz kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung, als Vater Constantine, der sich in seiner offiziellen klerikalen Kleidung befand, gegen das Vorgehen der Einsatzkräfte protestieren wollte.
Er habe den Beamten laut eigenen Angaben lediglich gesagt, ihr Verhalten sei „eine Schande“.
Die Situation eskalierte schnell, woraufhin die Beamten dem Geistlichen Handschellen anlegten und ihn abführten. Auf der Polizeiwache in der Salameh-Straße in Jaffa folgte laut den Aussagen des Pfarrers eine systematische Demütigung: Die Polizisten hätten ihn gezwungen, sich für eine Leibesvisitation komplett auszuziehen, während er vulgär beschimpft und verspottet worden sei.
Die israelische Polizei weist die Vorwürfe der Misshandlung zurück und wirft dem Pfarrer stattdessen die Behinderung eines Beamten im Dienst vor. Vater Constantine zeigte sich zutiefst erschüttert und betonte, dass er als Geistlicher die Pflicht habe, gegen Ungerechtigkeit aufzustehen. Israelische Oppositionspolitiker sprachen angesichts des Vorfalls von einer zunehmenden Verrohung der Polizeikultur unter dem rechtsextremen Polizeiminister Itamar Ben-Gvir.
Wachsende Kritik an Israels Umgang mit Christen
Dieser Vorfall reiht sich ein in eine Kette von Ereignissen, die den Umgang Israels mit der christlichen Minderheit im Land sowie in den Palästinensischen Gebieten zunehmend in die internationale Kritik rücken.
Menschenrechtsorganisationen und Kirchenvertreter beklagen seit Längerem eine spürbare Zunahme von Intoleranz und staatlicher Repression. Besonders in der Jerusalemer Altstadt und im Westjordanland wird die Religionsausübung christlicher Gemeinschaften immer wieder durch massive Sicherheitsauflagen und Absperrungen beeinträchtigt.
So kam es in der Vergangenheit mehrfach zu Vorfällen, bei denen selbst hochrangigen Kirchenvertretern der freie Zugang zu zentralen Heiligtümern während wichtiger Feiertage verwehrt wurde. Hinzu kommt eine wachsende Zahl von Übergriffen durch jüdisch-extremistische Gruppen im Kernland, die christliche Kleriker im öffentlichen Raum attackieren, anspucken oder religiöse Symbole beschädigen, ohne dass die Behörden konsequent einschreiten.
Die anhaltenden Spannungen verdeutlichen für Kritiker, dass der jüngste Übergriff in Jaffa kein Einzelfall ist, sondern symptomatisch für eine tiefere Krise im Umgang mit religiösen Minderheiten steht.
Father Constantine, head of Jaffa’s Greek Orthodox community, says he was handcuffed and arrested after confronting an officer during a police operation. ‚I’m in shock at where we’ve ended up,‘ he says | @Yair_Foldes 🔗https://t.co/F0M6JfRPWw https://t.co/QI8J95Anob
— Haaretz.com (@haaretzcom) October 4, 2026

