Keshet 12-Bericht
Nach Druck aus Israel: USA schließen Türkei aus F-35-Programm aus

Die Vereinigten Staaten sollen unter Israels Einfluss die Türkei aus dem F-35-Projekt ausgeschlossen haben.

Teilen
Tel Aviv – Die Vereinigten Staaten sollen unter Israels Einfluss die Türkei aus dem F-35-Projekt ausgeschlossen haben. Israel erkannte offenbar die Entscheidung Ankaras, russische S-400-Flugabwehrsyteme zu erwerben, als eine Möglichkeit, eigene Interessen zu lobbyieren, berichtet die Nachrichtenagentur Sputnik unter Bezugnahme auf eine Meldung des israelischen TV-Senders Keshet 12.
Demnach übte Israel Druck auf Washington aus, damit die USA den Verkauf von Kampfjets F-35 stoppte. Wäre der Deal erfolgreich vollzogen worden, würden die türkischen Luftstreitkräfte „fortgeschrittene Fähigkeiten“ erhalten. Israel wolle jedoch seine regionale Überlegenheit im Militär- und Luftbereich beibehalten.
Tel Aviv setze sich in jeder Hinsicht dafür ein, die Beteiligung der Türkei an den Programmen der gemeinsamen Produktion des Kampfjets zu verhindern, wozu hinter den Kulissen auf die USA Druck ausgeübt worden sei, so auch die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Somit bleibe Israel weiterhin das einzige Land der Region, das mit Kampfjets F-35 ausgerüstet ist.
Ausschluss aus dem F-35-Programm
Im Juli hat Washington die Türkei wegen des Kaufs der S-400 aus dem gemeinsamen F-35-Kampfjet-Programm ausgeschlossen. Die Türkei ist Mitentwickler und Lieferant von  etwa 900 Bauteilen. Schon sehr bald müssten türkische Soldaten, die an dem Projekt mitarbeiten, die USA verlassen. Spätestens im März 2020 soll der Ausschluss der Türkei abgeschlossen sein.
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte daraufhin an, sich anderen Optionen zuzuwenden. Moskau hat Ankara bereits den russischen Kampfjet SU-57 angeboten.
„Ihr verkauft uns keine F-35? Ok dann, sorry, aber wir werden unsere Maßnahmen ergreifen und wenden uns anderen Optionen zu“, sagte Recep Tayyip Erdogan während eines Treffens mit den Provinzchefs der Regierungspartei AKP im Hauptquartier in Ankara.
Auch der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu kündigte bereits im April dieses Jahres an, nach Alternativen Ausschau zu halten.
„Wenn die Vereinigten Staaten sich weigern sollten, die F-35 Kampfjets an die Türkei zu liefern, wird Ankara einen Ersatz finden müssen“, so Cavusoglu damals.
„Es gibt die F-35, aber es gibt auch Flugzeuge, die in Russland hergestellt werden. Wenn wir keine F-35 kaufen können, wird die Türkei ähnliche Flugzeuge aus anderen Ländern kaufen. Und das wird so lange so fortgeführt, bis wir mit der Produktion unserer eigenen Kampfjets der fünften Generation beginnen“, zitiert der türkische Nachrichtensender NTV Cavusoglu.
US-Präsident Donald Trump zeigt Verständnis für die Türkei
Während einer geschlossenen Sitzung mit republikanischen Senatoren im Weißen Haus habe sich US-Präsident Donald Trump erneut gegen Strafmaßnahmen gegen die Türkei für den Erwerb des russischen S-400 Raketenabwehrsystems ausgesprochen. 
Trump sagte bereits beim G20-Treffen in Osaka, dass er bei allen Angelegenheiten die USA stets an erster Stelle setze, er die unfairen Behandlung der Türkei gegenüber allerdings nicht ignorieren könne. Der S-400-Deal sei zwar „ein Problem für die USA“, die Türkei trage jedoch keine Schuld, da ihr während der Obama-Regierung der Kauf der US-amerikanischen Patriot-Systeme untersagt worden sei. 
“Die Obama-Regierung sagte, nein, nein, nein zur Türkei, als diese Patriotraketen kaufen wollten, sie [die Türkei] kauften deshalb die S-400“, sagte Trump und nannte die Zurückweisung der Obama-Regierung und das Versäumnis, das Patriot-Abwehrsystem an die Türkei zu verkaufen, ein “Chaos“.
Trump beschuldigte die Obama-Regierung für die anhaltenden Spannungen zwischen den beiden Ländern und betonte, es sei nicht die Schuld der Türkei oder des türkischen Präsidenten.
„Also ging er zu den Russen und kaufte die S-400. Er bezahlte viel Geld dafür. Dann sagten sie ‚Hör zu, wir wollen nicht, dass du dieses System benutzt, denn es ist nicht das NATO-System‘, usw usw – ihr kennt die Gründe“, sagte Trump.
„Erdogan ist ein harter Kerl, aber ich komme mit ihm gut klar“, sagte Trump. Die Türkei habe eine „große Armee“ und Türken seien „großartige Kämpfer“, so Trump in Osaka.
(nex/aa/ndr)

Auch interessant

Linkenpolitiker Amin Sharaf über Israel: „Wir haben ein Monster erschaffen“

Bonn - Der Bonner Kommunalpolitiker Amin Sharaf (Die Linke) hat auf der Plattform X ausführlich Stellung zu dem vieldiskutierten Dokumentarfilm „NAZA“ bezogen. In seinem...

Netanjahu will „Propaganda gegen Israel“ bekämpfen

Jerusalem – Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat eine umfassende Offensive im digitalen Raum angekündigt um mutmaßliche Desinformationskampagnen auf Social Media zu bekämpfen. In...

Paris: Bürgermeister verurteilt „islamfeindlichen Angriff“

Paris - „Rassistisch“ und „islamfeindlich“: Mit diesen deutlichen Worten hat Ali Rabeh, der Bürgermeister des Pariser Vororts Trappes, die tödlichen Schüsse von Freitagnachmittag verurteilt....

Geheimdienstreform: Eine Zäsur – aber keine Lizenz zum Töten

Berlin - Deutschland plant eine umfassende Reform seiner Geheimdienste. Wie die Welt am Sonntag in ihrem Bericht vom 18. Oktober 2026 schreibt, sollen der...

Israel: US-Kongresskandidat Brad Lander bei Olivenernte festgenommen

Jerusalem – Der jüdische US-Kongresskandidat Brad Lander ist am Mittwoch, 21. Oktober 2026, im Westjordanland von der israelischen Armee festgesetzt worden. Der frühere New Yorker...

Headlines

Linken-Politikerin zu Israel: Bundesregierung mitverantwortlich für „die nächsten Verbrechen“

Berlin - Israel bereitet eine vollständige Abriegelung des Westjordanlands vor. Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Lea Reisner, macht die Bundesregierung...

Israel: Netanjahu empfiehlt Krypto gegen Sanktionen und mögliche Krise

Tel Aviv - Angesichts wachsender internationaler Spannungen, drohender Handelsbeschränkungen und des zunehmenden Drucks auf das israelische Bankensystem hat Premierminister...

Israel: US-Kongresskandidat Brad Lander bei Olivenernte festgenommen

Jerusalem – Der jüdische US-Kongresskandidat Brad Lander ist am Mittwoch, 21. Oktober 2026, im Westjordanland von der israelischen Armee...

Israel: Kirchenführer verurteilen Gewalt radikaler Siedler

Jerusalem - Führende christliche Würdenträger in Jerusalem haben die zunehmende Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen palästinensische Gemeinschaften im Westjordanland in...

Meinung

Netflix-Neuauflage: Streit um das Stanford-Prison-Experiment

Los Gatos - Netflix hat am 21. Oktober die Serie „The New Stanford Prison Experiment“ veröffentlicht. In sechs Folgen werden 30 Freiwillige zufällig in...

Türkei: Bunker und Kampfdrohnenpläne befeuern Kriegsspekulationen

Ankara - Die Türkei baut Schutzräume in allen 81 Provinzen, der Generalstabschef nennt Produktionsziele von Millionen Drohnen, und die Lage in der Region bleibt...

Araştırma: ChatGPT kullanımı beyin aktivitesini önemli ölçüde azaltıyor

Cambridge – MIT Media Lab tarafından yapılan bir araştırma, ChatGPT ve diğer AI asistanlarının kullanımının beyin aktivitesini büyük ölçüde azalttığına dair ilk kanıtları sunuyor. Araştırma,...

CHP: Vatandaşlar ile Parti Arasındaki Artan Kopuş

Nabi Yücel Vatandaşlarla partiler arasındaki giderek derinleşen kopuş, Türkiye'nin en köklü partisi CHP üzerinden somut biçimde gözlemlenebilir. Cumhuriyet Halk Partisi, 38. Olağan Kurultay'ın ardından ve...

Aliyev’in Konuşması ve Türkiye: Eleştiriler Neden Asıl Meseleyi Kaçırıyor?

Toghrul Hasanzadeh Azerbaycan Cumhurbaşkanı İlham Aliyev'in 2 Ekim 2026'da iktidardaki Yeni Azerbaycan Partisi'nin VIII. Kurultayı'nda yaptığı konuşma, Bakü'nün çok ötesinde de tartışmalara yol açtı. Özellikle...