Reaktion auf Fall Mohamed
Missbrauchsbeauftragter will besseren Schutz von Flüchtlingskindern

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert einen besseren Schutz für Flüchtlingskinder: Weitere Fälle wie der des entführten und ermordeten Mohamed könnten nicht ausgeschlossen werden.

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Berlin (dts) – Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert einen besseren Schutz für Flüchtlingskinder: Weitere Fälle wie der des entführten und ermordeten Mohamed könnten nicht ausgeschlossen werden.

Im Gespräch mit der „Welt“ sprach der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, von einem „Skandal, dass im Moment Flüchtlingskinder in den Unterkünften so wenig geschützt“ seien. Durch die Umstände der Flucht sei ein Fünftel der Kinder stark traumatisiert und deshalb besonders schutzbedürftig. „Wenn man Täterstrategien kennt, weiß man, dass gerade diese besondere Schutzbedürftigkeit es Tätern leicht macht, sich Nähe zu Kindern zu verschaffen. Sie planen ihre Taten überaus gründlich und schätzen sehr genau ab, ob sie an Orten, an denen es an klaren Strukturen, Regeln und Kontrollen fehlt, wie zum Beispiel in den Flüchtlingsunterkünften, Zugang zu Kindern finden und sie sogar, wie jetzt im Fall Mohamed, entführen können“, sagte Rörig der „Welt“.

Die Gefahr für die Kinder und Jugendlichen ginge dabei auch von haupt- und ehrenamtlichen Helfern aus sowie von Wachleuten, die auf dem Gelände von Flüchtlingsunterkünften und Erstregistrierungsstellen tätig seien. Es seien auch Fälle bekannt, in denen zum Beispiel Wachleute gegenüber unter 14-jährigen Mädchen sexuell übergriffig geworden seien. „Das Problem ist, dass Menschen ohne Nachweis und Ausweiskontrolle auf diese Gelände gelangen und ohne eine Kontrolle diese Gelände wieder verlassen können“, sagte der Missbrauchsbeauftragte der „Welt“. „Ich weiß von Fällen, in denen mir bekannte Menschen sich unter falschem Namen angemeldet haben und bei denen keine Ausweiskontrolle bei einer Berliner Flüchtlingseinrichtung vorgenommen wurde. Sie hatten Zugang zu einem Spielbereich für Kinder, konnten sich frei in der Flüchtlingsunterkunft bewegen und auch ohne Kontrolle die Flüchtlingsunterkunft wieder verlassen.“ Da, wie sich Rörig gegenüber der „Welt“ äußerte, auch die Gefahr bestehe, „dass Ehrenamtliche sich als vermeintliche Helfer den Zugang zu Kindern verschaffen“, fordert er Zugangskontrollen für Großunterkünfte und Flüchtlingseinrichtungen sowie den Nachweis eines erweitertes Führungszeugnisses für Helfer. „In Kitas oder Schulen wird das zu Recht gefordert. Flüchtlingskinder brauchen den gleichen Schutz“, sagte Rörig der Zeitung weiter.

Zudem fordere er eine Betriebserlaubnis für Flüchtlingsunterkünfte, wie sie etwa jede Kita haben müsse. Das würde das Nähe-Distanz-Verhältnis von Erwachsenen und Kindern regeln. „Auch wenn in hohem Tempo viele Tausend Unterkünfte bereitgestellt werden müssen, sind Mindeststandards einzuhalten. Zum Beispiel ist die separate Unterbringung von alleinstehenden Müttern oder auch Vätern und ihren Kindern wichtig. Wir brauchen getrennte und abschließbare Duschmöglichkeiten und Toiletten für Frauen und Männer. Das ist organisierbar“, sagte Rörig der „Welt“. „Ganz wichtig ist, dass Mädchen und Jungen betreute Spiel- und Freizeitbereiche haben. Auch ein Flüchtlingskind muss endlich mal wieder Kind sein können, um seine Selbstwahrnehmung wieder zu stärken, das ist ein wichtiger Schutz.“

Eine erneute Kindesentführung aus Flüchtlingseinrichtungen mit anschließendem Missbrauch wie im Fall des vierjährigen Mohamed könne nicht ausgeschlossen werden. „Ich hoffe, dass uns das erspart bleibt, aber ich weiß auch, dass es eine hohe Dunkelziffer bezüglich sexueller Übergriffe gibt. Solche eklatanten Fälle wie dieser sind sehr selten. Aber ausschließen kann man im Moment gar nichts. Ich habe in den letzten Jahren meine Vorstellungskraft in Bezug auf das, was Erwachsene Kindern Schreckliches antun können, erheblich erweitern müssen. Das macht mich sehr betroffen“, sagte Rörig der „Welt“.

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