„60 Minutes“-Interview
Erdogan: Türkei enttäuscht über US-Politik

Als es in dem Gespräch um den vereitelten Putschversuch vom 15. Juli und Fetullah Gülen ging, der nach Aussagen der türkischen Regierung den gescheiterten Staatsstreich organisiert habe, sagte er: „Ich beschuldige die USA nicht. Aber so denken die Menschen in der Türkei“, und fragte: „Warum behalten Sie noch immer diesen Mann?“

Teilen

Ankara (nex) – In einem Interview mit dem bekannten US-amerikanischen Nachrichtenmagazin „60 Minutes“ bringt der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan seine Enttäuschung über die US-Politik zum Ausdruck. Das Interview soll am heutigen Sonntag ausgestrahlt werden.

Auf die Frage, ob er Frustration gegenüber Washington verspüre, erwiderte er: „Nun, lassen Sie es mich offen sagen, ich bin ja bekannt für meine Direktheit. Es würde nicht der Wahrheit entsprechen, wenn ich sagte, dass ich nicht enttäuscht bin. Denn ich bin enttäuscht.“

Als es in dem Gespräch um den vereitelten Putschversuch vom 15. Juli und Fetullah Gülen ging, der nach Aussagen der türkischen Regierung den gescheiterten Staatsstreich organisiert habe, sagte er: „Ich beschuldige die USA nicht. Aber so denken die Menschen in der Türkei“, und fragte: „Warum behalten Sie noch immer diesen Mann?“

Erdogan wies darauf hin, dass dies die Wahrnehmung des türkischen Staates und des türkischen Volkes sein werde, solange die USA Gülen Unterschlupf gewährten. Die Türkei hatte nach dem Putschversuch, bei dem 248 Menschen getötet worden waren, die Auslieferung Gülens verlangt.

Erdogan äußerte auch Kritik an der Syrienpolitik der USA, die mit dem scheidenden Präsidenten Obama und dem Vizepräsidenten Joe Biden erörtert worden sei. „Es gelang ihnen nicht, sich auf die Situation einzustellen und die Probleme entschlossen anzugehen“, so Erdogan. „Das finden wir ziemlich beunruhigend.“

Der designierte US-Präsident Donald Trump hat den General a. D. Michael T. Flynn zu seinem nationalen Sicherheitsberater ernannt. Dieser hatte in einem Gastkommentar in der vergangenen Woche Fetullah Gülen mit Osama bin Laden verglichen und gefordert, dass die USA ihm nicht mehr länger Unterschlupf bieten sollten.

Das Besondere an dem investigativen Nachrichtenmagazin 60 Minutes, das bereits seit fast 50 Jahren vom TV-Sender CBS ausgestrahlt wird, sind die Interviews, die ohne Kommentare ausgestrahlt werden. Das Magazin hatte beide US-Präsidentschaftskandidaten nach ihrer Nominierung im Sommer sowie Trump nach dessen überraschendem Wahlsieg in der vergangenen Woche interviewt.

Auch interessant

Hillary Clinton zum 7. Oktober: Netanjahu wurde gewarnt

Washington - Die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton hat schwere Vorwürfe gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Zusammenhang mit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober...

Gezielt auf Arztgespräche vorbereiten: AOK bietet neuen Patienten-Trainer

Berlin - Die AOK hat ihr Internet-Angebot um einen Patienten-Trainer für das Arztgespräch ergänzt. Er unterstützt Patientinnen und Patienten dabei, sich gezielt und strukturiert auf...

Von der Leyen will Kanada zum assoziierten EU-Mitglied machen

Brüssel - Die Europäische Union will ihre Beziehungen zu Kanada deutlich ausbauen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schlug am Mittwoch in ihrer Rede zur...

Warum das Mekka-Abkommen weit mehr ist als eine „muslimische NATO“

Ein Gastbeitrag von Özgür Çelik Manchmal beginnt Geschichte nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einem Ereignis, das außerhalb der Region kaum wahrgenommen wird. Während sich...

Israel: Demonstranten fordern Todesstrafe für NAZA-Filmemacher

Tel Aviv - Aktivisten haben in der zentralisraelischen Stadt Savyon vor dem Haus der Eltern der Filmemacherin Rachel Szor (auch als Rachel Tzur geführt)...

Headlines

Israel: Demonstranten fordern Todesstrafe für NAZA-Filmemacher

Tel Aviv - Aktivisten haben in der zentralisraelischen Stadt Savyon vor dem Haus der Eltern der Filmemacherin Rachel Szor...

Türkei entdeckt die Wirtschaftsmoral des Mittelalters neu

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Gewinn machen, aber nicht um jeden Preis: Die Türkei greift derzeit auf eine jahrhundertealte Tradition...

Bericht: Israel soll Türkei Aufteilung Syriens angeboten haben

Ankara - Israel soll der Türkei Berichten zufolge einen weitreichenden Deal zur Aufteilung von militärischen Einflusszonen in Syrien angeboten...

Von der Leyen will Kanada zum assoziierten EU-Mitglied machen

Brüssel - Die Europäische Union will ihre Beziehungen zu Kanada deutlich ausbauen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schlug am...

Meinung

Sachbeschädigung an Moschee in Ahlen: Polizei prüft politischen Hintergrund

Ahlen - In der Nacht zu Dienstag ist es an einer Moschee in der Rottmannstraße im westfälischen Ahlen zu einer Sachbeschädigung gekommen. Ein bislang...

Fauda und die Macht der Narrative: Mattner über die Frage der Deutungshoheit

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Nachdem ich jetzt eine ganze Reihe von Einschätzungen zu Fauda gelesen habe, die mir überwiegend ziemlich emotional und auch ziemlich...

CHP: Vatandaşlar ile Parti Arasındaki Artan Kopuş

Nabi Yücel Vatandaşlarla partiler arasındaki giderek derinleşen kopuş, Türkiye'nin en köklü partisi CHP üzerinden somut biçimde gözlemlenebilir. Cumhuriyet Halk Partisi, 38. Olağan Kurultay'ın ardından ve...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...