Edirne – In der türkischen Region Thrakien hat eine neue Schnellzugverbindung den Betrieb aufgenommen. Nach der offiziellen Eröffnung des 153 Kilometer langen Streckenabschnitts Çerkezköy–Kapıkule am 9. Oktober durch Präsident Recep Tayyip Erdoğan fuhren am 10. Oktober 2026 die ersten Fahrgastzüge.
Die Verbindung verkürzt die Reisezeit zwischen Çerkezköy und Edirne nach Angaben des türkischen Verkehrsministeriums auf 54 Minuten. Zugleich ist die Strecke Teil eines größeren Eisenbahnprojekts, das Istanbul mit der bulgarischen Grenze verbinden und den Personen- und Güterverkehr zwischen der Türkei und der Europäischen Union verbessern soll, berichtet Anadolu.
Sechs Schnellzugfahrten täglich
Der erste Zug in Richtung Çerkezköy verließ den Bahnhof Edirne am 10. Oktober um 9 Uhr. Nach Angaben von Verkehrsminister Abdulkadir Uraloğlu werden auf der Verbindung täglich sechs Schnellzugfahrten in beide Richtungen angeboten.
Die Züge fahren von Çerkezköy nach Edirne um 10.45 Uhr, 15 Uhr und 19.30 Uhr. In der Gegenrichtung starten sie um 9 Uhr, 13 Uhr und 17.45 Uhr. Unterwegs halten sie in Büyükkarıştıran, Lüleburgaz und Babaeski. Die Verbindung führt damit durch mehrere Orte in Thrakien, bevor sie Edirne erreicht.
Nach Angaben des Verkehrsministeriums verfügen die Züge insgesamt über 411 Sitzplätze, darunter zwei für Rollstuhlnutzer vorgesehene Plätze. Die Reisezeit zwischen Çerkezköy und Edirne beträgt demnach 54 Minuten.
Für Reisende aus Istanbul ist weiterhin ein Umstieg vorgesehen. Zwischen Halkalı und Uzunköprü verkehren Regionalzüge, mit denen Fahrgäste nach Çerkezköy gelangen und dort in die Schnellzüge nach Edirne umsteigen können. In der Gegenrichtung ist der Umstieg ebenfalls in Çerkezköy möglich. Zusammen mit den sechs Schnellzugfahrten verkehren auf den genannten Verbindungen täglich acht Personenzüge in beiden Richtungen. Anadolu Ajansı
153 Kilometer lange Strecke mit neuer Infrastruktur
Der Abschnitt Çerkezköy–Kapıkule ist der längste Teil des insgesamt 229 Kilometer langen Projekts Halkalı–Kapıkule. Die Strecke wurde für eine Entwurfsgeschwindigkeit und einen Betrieb von bis zu 200 Kilometern pro Stunde ausgelegt. Sie ist zweigleisig, elektrifiziert und signaltechnisch ausgerüstet.
Zu den Bauwerken entlang der Strecke gehören nach Angaben Erdoğans 31 Brücken, acht Tunnel in offener Bauweise mit einer Gesamtlänge von 2.520 Metern, zwei Viadukte, 114 Unter- und Überführungen sowie 175 Durchlässe. Insgesamt wurden im Rahmen des Projekts 353 Kilometer Schienen verlegt.
Mit der Inbetriebnahme werden die Provinzen Tekirdağ, Kırklareli und Edirne an das türkische Schnellzugnetz angebunden. Der neue Abschnitt reicht bis Kapıkule an der Grenze zu Bulgarien. Der Ausbau des gesamten Korridors soll damit eine moderne Eisenbahnverbindung zwischen Istanbul, Thrakien und dem europäischen Schienennetz schaffen.

Kürzere Reisezeiten und mehr Kapazität für Güter
Bei der Eröffnungsfeier erklärte Erdoğan, dass sich mit der Fertigstellung der gesamten Verbindung die Fahrzeit für Reisende zwischen Halkalı und Kapıkule von vier Stunden auf eine Stunde und 30 Minuten verkürzen solle. Für den Gütertransport werde eine Reduzierung von acht Stunden und 30 Minuten auf drei Stunden und 30 Minuten erwartet.
Nach den von Erdoğan genannten Prognosen soll sich die Kapazität der Eisenbahnstrecke etwa vervierfachen. Die jährliche Zahl der beförderten Fahrgäste könne von 600.000 auf drei Millionen steigen. Beim Gütertransport werde eine Zunahme von 1,5 Millionen auf 9,5 Millionen Tonnen pro Jahr erwartet.
Erdoğan bezeichnete die Verbindung als strategisches Verkehrsprojekt. Sie werde, so seine Aussage, die Produktion Anatoliens mit den europäischen Märkten verbinden und als logistisches Rückgrat dazu beitragen, die türkischen Exportziele zu erreichen. Er erwarte außerdem Impulse für Handel, Tourismus, Produktion und Beschäftigung in Thrakien und im übrigen Land.
Die genannten Kapazitäts- und Zeitwerte beziehen sich auf die Wirkung des gesamten Projekts Halkalı–Kapıkule. Die nun aufgenommenen Fahrgastverbindungen verkehren zunächst zwischen Çerkezköy und Edirne.
EU beteiligt sich mit 275 Millionen Euro
Auch die Europäische Union sieht in dem Projekt eine wichtige Verbindung zwischen Europa und der Türkei. Die EU-Kommissarin für Erweiterung, Marta Kos, nahm an der Eröffnung teil. Sie bezeichnete die Strecke in einem Beitrag auf X als Symbol für das Potenzial der Zusammenarbeit zwischen der EU und der Türkei.
Kos zufolge handelt es sich um das größte Infrastrukturprojekt, das bisher im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit zwischen der EU und der Türkei durchgeführt wurde. Die EU-Kommission beziffert ihren Zuschuss für den Abschnitt Çerkezköy–Kapıkule auf 275 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des Instruments für Heranführungshilfe IPA II gemeinsam mit türkischen Mitteln.
Kos erklärte, die Verbindung könne Menschen und Unternehmen näher zusammenbringen, das gegenseitige Vertrauen stärken und gute nachbarschaftliche Beziehungen fördern. Gemeinsam mit Erdoğan und Verkehrsminister Uraloğlu habe sie außerdem über den Ausbau von Verkehrs- und Energieverbindungen von der EU über die Türkei und den Südkaukasus bis nach Zentralasien gesprochen.
Die Europäische Kommission ordnet das Vorhaben in ihre überregionale Konnektivitätsagenda ein. Die Strecke soll die Verbindungen entlang des sogenannten Mittleren Korridors stärken, der Europa über die Türkei und den Südkaukasus mit Zentralasien verbindet.

Das türkische Eisenbahnnetz ist deutlich gewachsen
Die neue Verbindung steht auch für den Ausbau der türkischen Eisenbahninfrastruktur unter der seit 2002 regierenden AK-Partei von Erdoğan. Zu Beginn dieser Regierungszeit verfügte das Land zwar bereits über ein konventionelles Eisenbahnnetz, ein Hochgeschwindigkeitszugnetz gab es damals jedoch noch nicht.
Nach Angaben des türkischen Verkehrsministeriums betrug die Gesamtlänge des Schienennetzes 2002 rund 10.948 Kilometer. Ende 2024 waren es 13.919 Kilometer. Das entspricht einem Zuwachs von knapp 3.000 Kilometern. Davon entfielen 2.251 Kilometer auf Hochgeschwindigkeitsstrecken, die seit 2002 neu aufgebaut wurden.
Auch die bestehende Infrastruktur wurde modernisiert. Nach Angaben des Verkehrsministeriums stieg die Länge der elektrifizierten Strecken von 2.122 Kilometern im Jahr 2002 auf 7.274 Kilometer. Das signalisierte Netz wuchs demnach von 2.505 auf 8.419 Kilometer. Die Zahlen zeigen, dass der Ausbau nicht nur neue Strecken umfasst, sondern auch die technische Modernisierung bereits vorhandener Verbindungen.
Die Entwicklung geht über einzelne Schnellzugprojekte hinaus. Die türkische Regierung verfolgt das Ziel, das Eisenbahnnetz weiter auszubauen und mehr Provinzen direkt an den Schnellzugverkehr anzuschließen. Verkehrsminister Uraloğlu nannte als Ziel, die Zahl der direkt an das Schnellzugnetz angebundenen Provinzen bis 2028 von elf auf 27 zu erhöhen. Die geplante Gesamtlänge des Schienennetzes soll ebenfalls weiter steigen.
Weitere Bauarbeiten zwischen Istanbul und Kapıkule
Mit der Eröffnung des Abschnitts Çerkezköy–Kapıkule ist das Gesamtprojekt Halkalı–Kapıkule noch nicht vollständig abgeschlossen. Nach Angaben des Verkehrsministeriums werden die Bauarbeiten am Abschnitt Ispartakule–Çerkezköy sowie an der Verbindung zwischen Ispartakule und Halkalı fortgesetzt.
Erst mit der Fertigstellung der übrigen Abschnitte soll die durchgehende moderne Eisenbahnverbindung von Halkalı in Istanbul bis Kapıkule an der bulgarischen Grenze vollständig zur Verfügung stehen. Der nun begonnene Fahrgastbetrieb zwischen Çerkezköy und Edirne ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg.
🇹🇷🚄 Türkiye, Dünyanın Ulaşım Merkezi Oluyor! Cumhurbaşkanımız Sayın @RTErdogan ve Ulaştırma ve Altyapı Bakanımız Sayın @a_uraloglu’nun teşrifleriyle Çerkezköy–Kapıkule Demiryolu Hattı’nı hizmete açtık. Kıtaları birbirine bağlayan vizyonumuzun önemli bir eseri olan bu stratejik proje, modern altyapısı ve güçlü ulaşım bağlantılarıyla yalnızca ülkemizin değil, uluslararası demiryolu taşımacılığının da en önemli güzergâhlarından biri olacak. Açılış töreninin ardından makinist koltuğuna geçen Cumhurbaşkanımız Sayın @RTErdogan, hattaki ilk seferi gerçekleştirerek Babaeski’den Lüleburgaz’a tren yolculuğu yaptı. Türkiye’yi küresel ulaşım ağının merkezine taşıyan bu gurur projemiz, ülkemize ve milletimize hayırlı uğurlu olsun! #TürkiyeHızlanıyor🇹🇷
— TCDD-Türkiye Cumhuriyeti Devlet Demiryolları 🇹🇷 (@TCDDemiryollari) October 9, 2026
Today’s Çerkezköy–Kapıkule railway inauguration symbolizes the potential of EU–Türkiye cooperation. It is the largest infrastructure project ever carried out under EU–Türkiye financial cooperation. It brings people and businesses closer together. It creates an opportunity to strengthen mutual trust and advance good neighborly relations. With President @RTErdogan and Transport Minister @a_uraloglu, I discussed the potential to building transport and energy links from the EU through Türkiye and the South Caucasus to Central Asia. It strengthens our trade ties, and provides greater resilience for us both.
— Marta Kos (@MartaKosEU) October 9, 2026

