Steuerreform
Experte: Erbschaftsteuerreform sprachlich unverständlich

Der Gesetzentwurf der Koalition zur Reform des Erbschaftsteuerrechts ist nicht nur in der Sache kompliziert - er ist auch sprachlich schwer zu verstehen

Teilen

Berlin (dts) – Der Gesetzentwurf der Koalition zur Reform des Erbschaftsteuerrechts ist nicht nur in der Sache kompliziert – er ist auch sprachlich schwer zu verstehen: Zu diesem Urteil kommt der Kommunikationswissenschafter Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim. Brettschneider hat den Entwurf für die „Welt am Sonntag“ analysiert. Der Wissenschaftler hat mit Kollegen einen sogenannten Verständlichkeitsindex entwickelt – von 0 (formal völlig unverständlich) bis 20 (formal sehr verständlich).

Der seit dieser Woche vorliegende Gesetzentwurf erreicht Brettschneider zufolge gerade einmal einen Wert von 7,3. Zum Vergleich: Die Reden, die die Chefs der 30-DAX-Konzerne in diesem Jahr auf den Hauptversammlungen ihrer Unternehmen gehalten haben, waren deutlich verständlicher, sie erreichen einen Verständlichkeitswert von 13,1. Und die Berichte von Qualitätszeitungen über Wirtschaftsthemen landen meist bei 12 bis 15 Index-Punkten. In dem Gesetzentwurf finden sich Wörter wie „Verbundvermögensaufstellung“, „Verschonungsbedarfsprüfung“ und „Zahlungsverjährungsfrist“. In der dem Entwurf beigefügten Begründung ist sogar von einem „Regel-Ausnahme-Rückausnahme-Verhältnis“ die Rede. Ein Text sollte, um verständlich zu sein, Sätze enthalten, die im Durchschnitt höchstens zwölf Wörter lang sind, sagte Brettschneider. Im Gesetzentwurf zur Erbschaftsteuer aber liege der Wert doppelt so hoch – nämlich bei 23,2 Wörtern. Auch hätten die Ministerialbeamten bei ihren Formulierungen ungewöhnlich viele Passivsätze gewählt. Brettschneider zufolge sollten in Texten der Verständlichkeit halber nicht mehr als 15 Prozent der Sätze Passivkonstruktionen enthalten. In dem Gesetzentwurf aber tun dies 21,8 Prozent. „Es handelt sich formal um einen für relevante Teile der Bevölkerung unverständlichen Gesetzentwurf“, sagte Brettschneider. „Falls der Entwurf Gesetz wird, ist er für viele Menschen relevant. Er ist politisch umstritten. Und er ist komplex. Daher sollte es zumindest sprachlich für viele Menschen verständlich sein.“ Denn nur das, was verstanden werde, könnte auch demokratisch diskutiert werden. Daher, so Brettschneider, „wäre eine andere Vorlage wünschenswert“.

Auch interessant

Paukenschlag in der Türkei: Erdoğan-Herausforderer Yavaş verlässt die CHP

Ankara – Paukenschlag in der türkischen Politik: Ankara-Oberbürgermeister Mansur Yavaş hat am heutigen Mittwoch seinen Austritt aus der Republikanischen Volkspartei (CHP) erklärt. Yavaş will...

Fauda und die Macht der Narrative: Mattner über die Frage der Deutungshoheit

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Nachdem ich jetzt eine ganze Reihe von Einschätzungen zu Fauda gelesen habe, die mir überwiegend ziemlich emotional und auch ziemlich...

Wahlniederlagen der CDU: Prien stützt Merz – AfD zeigt sich gesprächsbereit

Berlin - In der CDU beginnt die Aufarbeitung der beiden Niederlagen des gestrigen Wahlsonntags. Bundesbildungsministerin und stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU Karin Prien gab sich...

Türkei: Israel-nahes Betrügernetzwerk zerschlagen

Istanbul - Türkische Sicherheitskräfte haben nach eigenen Angaben ein mit Israel in Verbindung stehendes, betrügerisches Handelsnetzwerk aufgedeckt. Wie Medien unter Berufung auf den türkischen Justizminister...

Turkish Airlines erneut zur besten Fluggesellschaft Europas gekürt

London - Türkische Staatsairline klettert in der Skytrax-Gesamtwertung weltweit auf Platz fünf und sichert sich zudem erneut die Krone für das beste Business-Class-Catering. Die türkische...

Headlines

Erdoğans UN-Rede: Kritik am Sicherheitsrat trifft den Nerv der Zeit

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel US-Präsident Donald Trump drohte vor der UN mit der Vernichtung Irans. Das ist die Art...

Paukenschlag in der Türkei: Erdoğan-Herausforderer Yavaş verlässt die CHP

Ankara – Paukenschlag in der türkischen Politik: Ankara-Oberbürgermeister Mansur Yavaş hat am heutigen Mittwoch seinen Austritt aus der Republikanischen...

Elif Eralp und der Palästina-Bumerang: Berlins neuer Machtfaktor

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Berlin hat gewählt, und diesmal hat die Hauptstadt dem politischen Establishment einen überdeutlichen Denkzettel verpasst:...

Israel: Demonstranten fordern Todesstrafe für NAZA-Filmemacher

Tel Aviv - Aktivisten haben in der zentralisraelischen Stadt Savyon vor dem Haus der Eltern der Filmemacherin Rachel Szor...

Meinung

Turkish Airlines erneut zur besten Fluggesellschaft Europas gekürt

London - Türkische Staatsairline klettert in der Skytrax-Gesamtwertung weltweit auf Platz fünf und sichert sich zudem erneut die Krone für das beste Business-Class-Catering. Die türkische...

Erdoğans UN-Rede: Kritik am Sicherheitsrat trifft den Nerv der Zeit

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel US-Präsident Donald Trump drohte vor der UN mit der Vernichtung Irans. Das ist die Art von Diplomatie, bei der selbst...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...